Shabby Chic mit Kalkfarben – unser großer Ratgeber

Shabby Chic sieht keinesfalls „schäbig“ aus, obwohl dieses Wort im Namen enthalten ist. Ganz im Gegenteil: Der zweite Namensteil offenbart, dass wir es mit einem richtigen schicken Wohnstil zu tun haben, der auf den angesagten Vintage-Look setzt. Damit entstehen urgemütliche Wohnräume mit charmantem Antik-Flair, die dazu einladen, sich rundum wohlzufühlen. Die Kalkfarbe spielt eine besonders wichtige Rolle im Shabby Chic, denn sie erzeugt eine markante optische Wirkung, die wunderbar zu dem trendigen Stil passt.

Was genau ist Kalkfarbe?

Die Kalkfarbe gehört zu den ältesten Anstrichmitteln überhaupt, schon in der Antike weißelten die Menschen damit ihre Häuser – und natürlich liebte man diese spezielle Beschichtung auch im Mittelalter. Das liegt vor allem daran, dass der Kalk direkt aus der Natur stammt und sich ganz einfach nutzbar machen lässt. Es handelt sich um eine Mineralfarbe auf wässriger Basis, die hauptsächlich aus Sumpfkalk besteht. Sumpfkalk ist gelöschter Kalk, der eine ganze Weile in Wasser „einsumpfen“ durfte. Im Zusammenspiel mit Sand wird daraus Kalkmörtel, den die Menschen früher für Bauarbeiten verwendeten.

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Heutzutage ist die Kalkfarbe ein wenig aus der Mode gekommen, weil die meisten Menschen für ihre Anstricharbeiten Dispersionsfarben nutzen. Dabei erweist sich das traditionelle Anstrichmittel als sehr viel ökologischer, herrlich atmungsaktiv und sogar schimmelhemmend! In Feuchträumen sorgt es für eine natürliche Raumklimaregulierung und trotzt aufgrund seines hohen pH-Wertes dem Pilzbefall. Allzu nass sollte es dabei allerdings nicht werden, denn irgendwann sind auch die Fähigkeiten dieser „Wunderfarbe“ erschöpft.

Praktisch für Shabby Chic: Kalkfarben weisen nach dem Trocknen eine unverwechselbare Struktur auf, immer ein wenig wolkig und leicht körnig. Die perfekt gestrichene, fleckenlose, absolut ebene Fläche bleibt mit diesem Anstrichmittel pure Utopie! Gerade darum eignet es sich hervorragend für den Shabby-Chic-Stil, der genau auf diese visuelle Wirkung setzt.

Kalkfarben im Innenbereich: Darauf sollten Sie achten!

Natürlich können Sie mit Kalkfarbe wie in alten Zeiten Ihre Wände tünchen, gern auch im Innenbereich. Achten Sie aber bitte darauf, dass Ihr Beschichtungsmittel möglichst wenig abfärbt, also einer niedrigen Nassabriebklasse laut (EN) 13 300 angehört. Kalkfarben neigen dazu, ihre Spuren an Kleidung und Gegenständen zu hinterlassen, doch in modernen Produkten wird dies weitgehend unterbunden. Vielleicht erhalten Sie keine Kalkfarbe der Klasse 1, doch Klasse 4 und 5 sollten Sie für die Innenräume auf jeden Fall meiden.

Die Nassabriebklassen in Kurzform

  • Klasse 1: scheuerbeständig und besonders robust
  • Klasse 2: waschbeständig
  • Klasse 3: wischbeständig
  • Klasse 4 und 5: geringe Strapazierfähigkeit

 

Kalkfarbe auf Holz – geht das überhaupt?

Obwohl Kalkfarben in der Regel auf mineralischen Untergründen gestrichen werden, eignen sie sich durchaus auch für die Verschönerung von Holz – vor allem im ästhetischen Shabby-Chic-Look. Gerade weil diese Farbsorte keine völlig homogenen Oberflächen erzeugt, bringt sie in diesem Bereich doppelt Freude.

Achtung! Sie haben die Wahl: Trimmen Sie ein neues oder zumindest neuwertiges Möbelstück auf „alt“ oder streichen Sie ein historisches Flohmarktjuwel an. Eines sollten Sie stets vorher sicherstellen, nämlich dass die Oberfläche aus Naturholz besteht, also nicht foliert oder mit Kunststoff furniert ist. Lack und andere alte Anstriche sollten Sie auf jeden Fall vorher entfernen, um sicherzugehen, dass die Kalkfarbe dauerhaft hält.

So streichen Sie Ihre Möbel mit Kalkfarbe: eine Anleitung

Nun gehen wir von der Theorie in die Praxis über: Wahrscheinlich harren Sie bereits darauf, endlich Hand anzulegen, um Ihre eigenen Shabby-Chic-Möbel mit Kalkfarbe zu gestalten. Dabei gibt es ein paar wichtige Punkte zu beachten, also folgen Sie am besten unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein ideales Ergebnis.

  1. Untergrund vorbereiten
    Wie immer steht am Anfang die sorgfältige Untergrundvorbereitung. Die Oberfläche sollte sauber und tragfähig sowie ein wenig rau sein. Entfernen Sie einen eventuellen Altanstrich, schleifen Sie das Holz an und stauben Sie es gründlich ab.
  2. Optional: Holz abbürsten
    Wenn Sie einen besonders rauen Look wünschen, dann nehmen Sie nun eine Messingdrahtbürste zur Hand, um das Holz damit kräftig abzubürsten. Auf diese Weise vertiefen Sie die weichen Frühholzringe und sorgen dafür, dass das Spätholz stärker hervortritt. Zum Schluss gern noch einmal überschleifen.
  3. Oberfläche kalken
    Zum Kalken empfehlen wir einen Rundpinsel, mit dem Sie die Farbe ganz locker auftupfen. Das wird richtig schön wolkig – und trägt dazu bei, dass das Anstrichmittel bis in sämtliche Ritzen dringt.
  4. Farbe feucht verwischen
    Wenn Sie mögen, können Sie zwischendurch noch mit einem sauberen Lappen quer zur Holzmaserung wischen, um noch mehr Leben ins Spiel zu bringen. Aber Achtung: Kalkfarbe trocknet recht schnell, darum gilt es, sich dabei zu beeilen!
  5. Eventuell weitere Schicht auftragen
    Nach dem Trocknen beurteilen Sie die Wirkung und entscheiden sich eventuell für einen weiteren Anstrich. Immer gilt hierbei: Verwenden Sie verdünnte Farbe, die den Untergrund ein wenig durchscheinen lässt, um einen richtig guten Effekt zu erzielen!
  6. Abnutzungsspuren einfügen
    Im Shabby-Chic-Stil sind Abnutzungsspuren mehr als nur geduldet, sondern absolut erwünscht: Mit feinkörnigem Schleifpapier erzielen Sie einen täuschen echten Used-Look, wenn Sie damit die gestrichenen und getrockneten Ecken, Kanten und Griffe bearbeiten. Aber natürlich erst nach dem Trocknen!

Kalkfarben müssen nicht unbedingt weiß sein

Noch vor wenigen Jahren war Kalkfarbe der Inbegriff von „Weiß“, doch heute hat sich das stark geändert. Die einschlägigen Hersteller bieten ihre Produkte auch abgetönt an, zum Beispiel in Blau, Gelb oder Grün. Das Ergebnis ist immer recht zart und pastellig, das hat die Kalkfarbe so an sich. Aber – das müssen wir an dieser Stelle wieder mal zugeben – nichts passt besser zum Shabby Chic als die luftig-leichten Töne der gefärbten Kalkfarbe!

Tipp Besorgen Sie sich pH-resistente Pigmente speziell für Kalkfarben und mischen Sie sich Ihre Farbtöne selbst. Rühren Sie das Farbpulver gut unter, sodass sich eine homogene Masse ergibt, lassen Sie alles gut einweichen und mischen Sie es noch einmal kräftig durch. Schon ist Ihre Farbe fertig! Die typischen Vollton- und Abtönfarben aus dem Baumarkt sollten Sie hierfür keinesfalls nutzen, sie vertragen sich nicht mit der Kalkfarbe.

Wo kann ich meine Farben kaufen?

Wahrscheinlich haben Sie es schon bemerkt: Typische Kalkfarben gibt es inzwischen auch in einigen Baumärkten zu kaufen, weil in diesem Bereich zwar eine vergleichsweise geringe, aber immerhin steigende Nachfrage besteht. In gut sortierten Fachgeschäften werden Sie wahrscheinlich ebenfalls fündig – und erhalten die kompetente Beratung gleich mit dazu. Und natürlich können Sie sich auch im Internet nach Kalkfarben umsehen mit einer hervorragenden Chance, fündig zu werden! Schauen Sie sich am besten auch im Künstlerbedarf um, denn hier gibt es kleinere Mengen zu kaufen.

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Für DIY-Künstler: Shabby-Chic-Kalkfarbe selbst herstellen

Vielleicht möchten Sie auch lieber Ihre Kalkfarbe selbst produzieren, ganz so, wie es in früheren Zeiten üblich war. Dafür müssen Sie den Kalk natürlich nicht selbst abbauen, Sie können einfach Löschkalkpulver kaufen. Die weiße Substanz setzen Sie vorsichtig mit Wasser an, immer im Bewusstsein, dass ein alkalisches Gemisch mit ätzender Wirkung entsteht.

Empfehlung Tragen Sie beim Ansetzen und bei der Verarbeitung von Kalkfarbe eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe, schützen Sie auch Ihre anderen Hautstellen so weit wie möglich vor den alkalischen Spritzern.

Damit haben Sie den Kalk bereits „gelöscht“ und eine Farbe hergestellt. Fügen Sie nun noch etwas Salz, Quark und vielleicht ein wenig Leinöl hinzu, um das selbst hergestellte Anstrichmittel wischfester zu machen. Alkaliresistente Pigmente verleihen der Farbe noch den nötigen Pepp! Hier die ungefähren Mengenangaben:

  • 5 Teile Löschkalk
  • 6 Teile Wasser
  • ein, zwei Prisen Salz
  • 3 % Quark
  • wenige Tropfen Leinöl

Achten Sie darauf, dass im Quark weder Sahne noch Zucker enthalten ist – und auch das Salz sollte absolut rein sein, ohne Zugabe von Fluor oder Jod: Diese Fremdstoffe haben in der Kalkfarbe nichts zu suchen.

Folgen Sie Ihrer Inspiration

Spätestens jetzt geht es los mit Ihrem Shabby-Chic-Projekt und einer Farbe, die sich über Generationen hinweg bewährt hat: Krempen Sie die Ärmel hoch und folgen Sie Ihrer Inspiration!

Quellen:

https://www.schoener-wohnen.de/einrichten/29132-rtkl-shabby-chic

https://www.t-online.de/heim-garten/deko/id_70588626/shabby-chic-selber-machen-anleitung-schritt-fuer-schritt.html

https://www.kalkfarbe.com/

http://www.naturfarben-leipzig.de/farben/wandfarben+streichputze/kalkfarben+putze/hinweis/

https://www.shabby-it-yourself.de/was-brauche-ich/farben-und-lacke/kalk-und-kreidefarben/

https://wendyswohnzimmer.de/moebel-kreidefarbe-streichen/