Robinienholz: Das „europäische Tropenholz“

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Robinie gehört zu den schwersten und härtesten heimischen Gehölzen
  • Robinienholz eignet sich für den Innen- und Außenbereich
  • Extrem dauerhaft und wasserundurchlässig: Ideal für den Schiffsbau
  • Extrem witterungsbeständig: Muss nicht chemisch behandelt werden
  • Ökologisch sinnvoll

Robinienholz wird in Europa nach wie vor unterschätzt. Und das, obwohl es das widerstandsfähigste Holz Europas – noch vor Buche und Eiche – ist. Es besteht reger Aufklärungsbedarf darüber, was dieses edle Holz so alles kann. Ein Rundumblick.

Die Robinie – eine Kämpfernatur

Die Robinie, auch als falsche Akazie oder Silberregen bekannt, gehört zu den sogenannten Pionierpflanzen. Das sind Baumarten, die vegetationsarme Gebiete als erste besiedeln und als Schattenspender und Nährstofflieferant den Weg für andere Arten ebnen. Hier zeigt sich die Widerstandsfähigkeit des ursprünglich aus Nordamerika stammenden, sommergrünen Laubbaums mit den buschig-gefiederten Blättern.

Robinie Baum
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Symbol für Neubeginn und Resilienz

Es scheint, als ließe sich der überaus anpassungsfähige Zier- und Straßenbaum von Nichts und Niemandem aufhalten. Bei Gärtnern und Botanikern machte sich die Robinie unter anderem dadurch einen Namen, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg als erste Baumart aus Schutt und Asche herausbrach. Sie verbreitete sich großflächig auch in den Städten. Und blieb. Das heutige Stadtklima scheint die Robinie ebenso wenig zu stören wie Staub, Streusalz, Rauch oder Ruß. Eine echte Kämpfernatur eben.

Der Appalachen-Baum

Wie kommt es, dass dieser Baum in unseren Breiten so sehr unterschätzt wird? Warum greifen die meisten zur Verlegung eines Terrassenbodens noch immer zu Bangkirai? Warum greifen sie beim Möbelbau für den Außenbereich zu Teak? Und warum fällt den meisten bei heimischen Baumarten für den Außenbereich sofort Eiche oder Kiefer ein? Vielleicht muss man sich nur etwas näher mit diesem Baum beschäftigen, und die fabelhaften Eigenschaften von Robinienholz näher kennenlernen.

Ursprünglich stammt die Robinie aus den Appalachen, einem der ältesten Gebirgszüge der Welt. Hier hob sich die Robinie das erste Mal aus Steinformationen empor, um ihren Siegeszug auf dem Planeten anzutreten.

Wohlgemerkt: Nicht ganz ohne menschliches Zutun. Heute ist die als Zierbaum in Europa eingeführte Robinie in ganz Europa, aber auch in Nordafrika und in Teilen Asiens beheimatet. In der Schweiz wurde sie aufgrund ihrer schnellen und unkontrollierbaren Verbreitung und der extremen Resistenz in die Liste der invasiven Pflanzen aufgenommen.

Bienen lieben den Schmetterlingsblütler

Robinie Bienen
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Die Robinie ist sowohl Ziergehölz als auch gewinnbringende Nutzpflanze. So gilt sie aufgrund ihres reichhaltigen, stark zuckerhaltigen Nektars, den die Robinie im Frühjahr in den bergamotteartig duftenden Blütentrauben bildet, auch als Bienenbaum.

Vielen bekannt ist wahrscheinlich der in unseren Regalen als „Akazienhonig“ angebotene helle, schwach gelbliche Honig, dem sogar unterschiedliche Heilwirkungen zugesprochen werden. In Ungarn und in Teilen Frankreichs gilt sie als besonders wichtige Imkerpflanze.

In Gesamteuropa gehört die schnellwüchsige Robinie neben Tanne und Fichte zu den wichtigsten Forstbäumen. Im 18. Jahrhundert war sie der Hoffnungsträger im Kampf gegen Holznot und jahrzehntelange unkontrollierte Rodung. Die Robinie hielt ihr Versprechen und wuchs. So konnte sich der resistente Baum in unseren heimischen Gefilden schnell etablieren. Wir haben es Robinie zu verdanken, dass der Vernichtung des Waldes im 18. Jahrhundert Einhalt geboten werden konnte.

Robinienholz als Werkstoff: Ein Multitalent

Sehen wir uns die Eigenschaften von Robinienholz einmal genauer an. Es zahlt sich aus, denn die zähe Robinie schlägt in vielen ihrer technischen Eigenschaften sogar Buche und Eiche.
Das gelblich-grüne oder hellbraune Robinienholz als Werkstoff ist elastisch und mit einer Brinellhärte von 46 N/mm2 äußerst hart. Damit schlägt es sogar die Buche mit einer Härte von 34 N/. Und auch, wenn die Eiche mit ihrer Brinellhärte von 64-66 N/mm2 jene der Robinie übertrifft, so ist sie dennoch dem Eichenholz überlegen. Das gilt vor allem, was die Verarbeitung betrifft.
Die Robinie hält aber auch Sonne, Regen und Schnee länger stand als die Eiche. Deshalb eignet sich die gegen Holzfäule widerstandsfähige Robine besonders als Werkstoff zur Verwendung im Außenbereich.

Info: Wem die helle Farbe nicht gefällt, der besorgt sich gedämpftes Robinienholz. Durch das Dämpfen bekommt das Holz einen dunklen Farbton.

Einsatz von Robinienholz:

  • Schiff- und Wasserbau
  • Wildbach- und Lawinenverbauung
  • Gruben- und Schwellenholz
  • traditionelle Rebpfähle in Österreich und Fässer
  • Erdbau
  • Kinderspielplätze, Wegweiser und Sportgeräte
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Carports, Pergolen und Wintergärten
  • Gartenmöbel, Zäune, Spaliere und Terrassengestaltung
  • Fenster und Haustüren
  • Parkett und Handgriffe
  • Möbel- und traditioneller Bogenbau
Robinienholz
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Eine echte Alternative zu Teak

Wer die Vorzüge des edlen Holzes der Robinie kennt, greift zukünftig nicht mehr freiwillig auf Tropenholz zurück. Denn was Härte, Widerstandsfähigkeit und Witterungsbeständigkeit betrifft, schlägt Robinienholz sogar Teak. Während die Brinellhärte von Teak maximal 39 N/mm2 beträgt, liegt die Robinie um gleich 7 N/mm2 darüber.
Dank ihres hohen Ölgehalts ist die Robinie extrem undurchlässig für Flüssigkeiten, was sie auch für den Schiff- und Wasserbau interessant macht. Noch dazu ist Robinienholz um ein Sechstel des Preises von Teakholz zu haben. Das spricht sich seit einiger Zeit auch bei Segelboot- und Yachtbesitzern um.

Eigenschaften von Robinienholz:

  • witterungsbeständig
  • hohe Dauerhaftigkeit
  • wertbeständig
  • sehr hart
  • flexibel
  • extrem wasserundurchlässig
  • leicht zu bearbeiten
  • elastisch
  • kein Imprägnieren notwendig
  • kostengünstig
  • ökologisch sinnvoll
  • nachhaltig
  • Maßnahmen zur Holzveredelung problemlos umsetzbar

Ökologisch wohnen mit Robinienholz

Auch für jene, die auf der Suche nach ökologisch sinnvollen Werkstoffen sind, kommt die Robinie wie gerufen. Denn das Holz des Schmetterlingsblütlers bleibt ganz ohne chemische Konservierung dauerhaft stabil.

Die Verarbeitungseigenschaften von Robinienholz

Wer mit Robinienholz Erfahrungen sammeln möchte, der sollte folgende Dinge beachten:

  • Das Trocknen von Robinienholz gestaltet sich nicht so einfach wie bei anderen Holzarten.
  • Langsam freilufttrocknen, um Werfen und Reißen zu verhindern!
  • Einfach zu bearbeiten, nur beim Nageln und Schrauben sollte man besser vorbohren.
  • Bei der Arbeit mit Robinienholz immer eine Staubmaske tragen!
  • Das Verleimen einer Holzkonstruktion mit Robinienholz gestaltet sich schwieriger als bei anderen Holzarten.
  • Lacke, Beizen, Flüssigwachs und andere Maßnahmen zur Holzveredelung lassen sich problemlos umsetzen.

Robinienholz ist eine schöne und sinnvolle Alternative zu Tropengehölzen. Eigentlich hätte sich das widerstandsfähige Holz schon lange einen viel besseren Ruf verdient. In letzter Zeit holt es stark auf und überholt dabei neben Eiche und Buche sogar Teak. Das wiederum freut all jene, die sich für ökologisches und nachhaltiges Wohnen entscheiden. Denn der Griff zu Robinienholz ist umweltbewusst, und liegt dazu auch noch voll im Trend.

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