Die Nutzung von Lindenholz als Baustoff

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Linde ist ein Baum, der in Europa beheimatet ist, wobei in den nördlichen Breiten eher die Winterlinde und in den südlichen Breiten eher die Sommerlinde anzutreffen ist.
  • Das weiche Lindenholz lässt sich sehr leicht bearbeiten und ist so für die Bildhauerei, Schnitzerei und Drechslerei sehr gut geeignet.
  • Lindenholz wird in der Möbelindustrie als Kirschbaum- und Nussbaumimitation genutzt.

Unter dem Begriff Lindenholz wird das Holz von verschiedenen Lindenarten (Gattung Tilla) zusammengefasst, die als Nutzhölzer verwendet werden. Zu diesen Arten gehören in Europa die Sommerlinde, die Winterlinde und die Hollandische Linde, die eine Kreuzung aus der Sommer- und Winterlinde ist. Die Hauptanwendung des Lindenholzes findet man in der Bildhauerei und der Schnitzerei, da sich dieses Holz in alle Richtungen gut bearbeiten lässt.

Herkunft

Die Winterlinde ist in ihrem natürlichen Verbreitungsraum von Nordeuropa über Mitteleuropa bis nach Osteuropa zu finden. Das Schwarze Meer und der Ural bilden die Grenze der östlichen Verbreitung. Die Sommerlinde dagegen ist hauptsächlich im südlichen Europa verbreitet. Hierbei bildet der Kaukasus die östliche Verbreitungsgrenze und die nördliche Verbreitungsgrenze stellen die deutschen Mittelgebirge dar.

In ihrer kultivierten Form sind beide Arten über ganz Europa verteilt. Im natürlichen Verbreitungsraum in Mitteleuropa wurde die Linde allerdings von der Buche zurückgedrängt, da die Buche als besseres Holz für die Nutzung gesehen wird.

Die verschiedenen Lindenarten und ihre Unterscheidungen

  • Winterlinde (Tilla cordata)
  • Sommerlinde (Tilla platyphyllos)
  • Holländische Linde (Tilia × europaea)

Zwischen der Sommer- und der Winterlinde bestehen keine großartigen Eigenschaftsunterschiede. Sie liefern beide ein hellfarbiges und weiches Holz. Das Holz ist mittelschwer und zeigt keine deutliche Zeichnung. Weiters ist das Holz zäh und wenig elastisch und fest.

Lindenholz
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Die Lindenarten stimmen in ihren mikroskopischen und makroskopischen Eigenschaften weitestgehend überein, so dass das Holz nicht sicher voneinander unterscheidbar ist. Auch sind keinen Unterschieden in den verarbeitungstechnischen und technologisch-mechanischen Eigenschaften zu finden. Somit wird bei der Verarbeitung von Lindenholz als Baustoff kein Unterschied zwischen den Arten gemacht.

Der Winterlinde wird aber gewöhnlich zugesprochen, dass sie das dichtere, härtere und schwerere Holz besitzt. Diese Lindenart hat auch eine größere Bedeutung als Nutzholzlieferant.

Holzbeschreibung

Linden gehören zu den Bäumen, die ein helles Kernholz aufweisen. Dies wird auch als Reifholzbäume bezeichnet. Bei diesen Bäumen kann man das kern- und Splintholz farblich nicht unterscheiden.

Das Lindenholz ist weißlich bis gelblich und hat öfters eine hellbräunliche oder auch leicht rötliche Tönung. Es gibt auch Arten, die schwach grünlich gefleckt oder gestreift sind.

Die wasserleitenden Gefäße im Holz sind im Querschnitt sehr schwer zu erkennen. Erst mit einer Lupe sind die 70 bis 90 um feinen Gefäße zu sehen. Sie sind zerstreutporig angeordnet. Das heißt, dass sie gleichmäßig über einen Jahresring verteilt sind. Die Gefäße sind in kleinen Nestern, wie auch in radialen Gruppen angeordnet.

Ein charakteristisches Merkmal bei Linden ist der fast geschlossene Porenring, der die ersten Gefäße eines Jahresringes bilden. Die Jahresringe sind sehr homogen aufgebaut, so dass die Längsflächen beim Radialschnitt nur sehr leicht gestreift und beim Tangentialschnitt nur leicht gefladert sind. Somit ist das Holz der Linden recht schlicht.

Eigenschaften

Das Holz der Linde ist weich und besitzt eine feine und dichte Struktur. Es ist ein mittelschweres Holz mit einer mittleren Rohdichte (rN) von 0,53 g/cm3 bezogen auf eine Holzfeuchte von 12 bis 15 % [1]. Lindenholz ist wenig elastisch und besitzt nur eine geringe Festigkeit.

Nachdem das Holz vor der Weiterverarbeitung getrocknet ist, zeichnet es sich durch ein besonders gutes Stehvermögen aus. Dies bedeutet, dass es nachdem es ausgetrocknet ist, bei Schwankungen der Feuchte wenig arbeitet.

Durch seine Eigenschaften ist Lindenholz mit allen Werkzeugen leicht zu bearbeiten. Es kann ohne große Mühe gesägt, gehobelt und geschnitzt werden. Leider lässt es sich nicht in glatte Flächen spalten. Die Oberflächen des Lindenholzes lassen sich gut polieren und auch gut beizen und einfärben.

Lindenholz, welches mit Schraub- oder Nagelverbindungen verbunden ist, hält gut zusammen. Es sollte aber beachtet werden, dass es im Kontakt mit Eisen unter Feuchtigkeit zu Verfärbungen (grauschwarz) kommt.

Verwendungsbereiche

Drechslerei Lindenholz
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Einer der Hauptverwendungsbereiche ist die Bildhauerei, Drechslerei und die Schnitzerei. Diese Art der Nutzung gibt es schon seit Jahrhunderten. Hierfür wird das Lindenholz als bevorzugtes Baumaterial genutzt, da sich das Holz in alle Schnittrichtungen bearbeiten lässt.

Durch die Nutzung des Lindenholzes in Sakralbauten im Mittelalter für Heiligen- und Apostelfiguren und für Kruzifixe wurde Lindenholz auch als „Lignum Sacrum“, das heilige Holz, bezeichnet.

Auch heutzutage wird das Holz der Linde zur Schnitzerei von Kreuzen, Madonnen und Krippenfiguren genutzt. Aber nicht nur in der christlichen Schnitzerei wird das Lindenholz als Baustoff genutzt, sondern auch in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Hier werden die Fastnacht-Masken für die bekannten Umzüge geschnitzt.

Für Kuckucksuhren werden die vielfältig verzierten Frontpartien aus dem weichen Holz geschnitzt. Sehr bekannt sind die Schnitzereien aus dem Erzgebirge mit ihren traditionellen Bergmännern und den Weihnachtsengeln. Somit ist festzustellen, dass die größte Bedeutung von Lindenholz aus Baustoff in der Schnitzerei und Bildhauerei liegt.

In der Möbelindustrie wird Lindenholz auch als Baustoff genutzt. Hier wird die Linde als Kirschbaum- und Nussbaumimitation verwendet. Auch für geschnitzte Teile, wie Zierleisten, Kassettenfüllungen und Blattschnitzereien wird Lindenholz durch seine Eigenschaften sehr gern genommen. Zu finden sind auch ganze Möbelteile, die geschnitzt sind, sind oft aus Lindenholz.

Lindenholz aus Baustoff wird nicht nur in der Möbelherstellung genutzt, sondern auch zur Verzierung von Dekorationsartikeln. Bei dem Bau von Wendeltreppen wird Linde als Blindholz verwendet. Der geschnitzte Rahmen von Spiegeln ist meist auch aus Linde hergestellt.

Bienenstock Lindenholz
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Nicht nur in der Inneneinrichtung und Schnitzerei ist Lindenholz als Baustoff begehrt. So sind die Innenkästen (der Rahmen für den Wabenbau) von Bienenkästen aus Linde. Viele Flachpinsel haben Stiele aus Lindenholz. Hier wird die Eigenschaft, dass das Holz ein geringes Quellverhalten besitzt, genutzt.
Oft findet man Lindenholz im Modellbau. Architekturmodelle werden aus dieser Holzart gebaut. Auch die Holzköpfe für Hut- und Perückenmacher sind durch die Weichheit des Holzes aus Linde.

Eine geringe Bedeutung hat Lindenholz im Spielzeugbau, bei Haushaltsgeräten und bei Bilderrahmen. Früher wurde Lindenholz auch als Baustoff im Musikinstrumentenbau verwendet. Dies kann aber aktuell nicht mehr nachgewiesen werden. Der Bast von der Rinde der Linde wurde zur Herstellung von Seil- und Flechtwaren genutzt. Aus diesem Bast entstanden dann Matte, Körbe, Seile, Schnüre und Materialien zum Binden im Obst- und Gemüseanbau.

Fazit
Da die Linden ein eher weiches, mittelschweres Holz ohne deutliche Zeichnung liefern, wird dieses Holz gern in der Bildhauerei und Schnitzerei verwandt. Auch die Eigenschaft, dass sich Lindenholz sehr gut beizen und einfärben lässt, lässt das Holz in Drechslereien für Holzkunst zum beliebtesten Arbeitsmaterial werden. Im Möbelbau wird das Lindenholz als Baustoff meist als Imitation von Kirschbaum und Nussbaum für Zierleisten, Schnitzereien und Kassettenfüllungen genutzt.

[1]Nomenklatur nach DIN EN 13556 (Ausgabe 10.2003); Werte nach DIN 68364 (Ausgabe 05.2003)

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