Kastanienholz als Baustoff – beliebt für Möbelbau und Drechselarbeiten

Das Wichtigste in Kürze
  • Das hochwertige Kastanienholz ist ein vielseitig einsetzbarer Werkstoff, welcher sich im Innenausbau vor allem bei dem Bau von Holzböden, Möbeln oder auch Vertäfelungen, bewehrt hat.
  • Es eignet sich gut für Schnitz- und Drechselarbeiten, außerdem wird es im Schiffsbau, Unterwasserbau und zur Verstärkung von Stützkonstruktionen verwendet.
  • Die Baumstämme sind meistens gerade gewachsen und bis zu einer Höhe von 12 Metern von Ästen frei, weshalb die Maserung des Holzes eine sehr gleichmäßige Struktur aufweist. Kastanienholz kann daher eine überdurchschnittlich gute Qualität erreichen.

Kastanienholz als Baustoff ist schon seit Jahrhunderten bekannt und wird aufgrund der äußeren Ästhetik vor allem im Innenbereich immer beliebter. Vor allem für Heimwerker, die sich im Möbelbau oder in Drechselarbeiten versuchen möchten, finden im Kastanienholz eine passende Komponente.

Geschichte und Vorkommen der Edelkastanie

In Europa ist das Kastanienholz einzig durch die Edelkastanie vertreten. Im Volksmund ist die castanea sativa besser als Esskastanie bekannt, verbreitet. Sie ist die einzige der insgesamt ca. 12 Kastanienarten, die im europäischen Raum anzutreffen ist.

Ursprünglich gab es die Edelkastanie, welche zur Gattung der Buchengewächse gehört, in Europa vor allem im Mittelmeerraum. Durch die Römer wurde sie auch in weiteren Teilen Europas, wie zum Beispiel im heutigen Österreich, der Schweiz oder auch bei uns in Deutschland, verbreitet. In den skandinavischen Ländern kommen die Edelkastanien ebenfalls natürlich vor und werden dort heutzutage sogar zur planmäßigen Holzgewinnung angebaut, um Kastanienholz als Baustoff liefern zu können.

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Natürlich gibt es Kastanienbäume auch in anderen Teilen der Welt, so wird man auch in den USA oder asiatischen Ländern auf Verwandte der Edelkastanie stoßen. Kastanien können über die Jahre hinweg auf eine ungefähre Höhe von 30 Metern heranwachsen, der Durchmesser des Stammes ist stark vom Alter des Baumes abhängig, meistens ist aber eine Stammbreite von einem bis zu 1,2 Meter üblich.

Ernte und Weiterverarbeitung zum Kastanienholz als Baustoff

Das Kastanienholz wird zum einen, logischerweise, aus dem Stamm der Kastanien gewonnen, zum anderen aber auch aus Stockaustrieben der Kastanie, welche nach dem Fällen eines Baumes aus dem übrigen Holzstumpf wachsen können. Die Römer nutzen diese Stockaustriebe zum Beispiel als Rebpfähle für ihren Weinanbau, heute werden daraus unter anderem auch die Staketen für den Kastanienzaun gewonnen.

Um das Holz später gut weiter verarbeiten zu können, sollte es zunächst längerfristig und sorgfältig getrocknet werden, denn ansonsten besteht ein hohes Risiko, dass es zum Werfen und Reißen des Holzes kommt. Kernrissen und Ringschäle sind ähnliche Symptome, die vor allem bei älteren Bäumen häufig auftreten und weitere Gründe dafür sind, dass der Markt für Kastanienholz im Vergleich zu anderen Holzarten im Moment noch relativ klein ist.

Des Weiteren können bei falscher Trocknung auch Feuchtigkeitsflecken auftreten. Kastanienholz als Baustoff sollte daher vor dem Kauf möglicherweise auch durch eine gute fachliche Beratung auf die Qualität überprüft werden, da diese beim Kastanienholz sehr stark schwanken kann, wenn wichtige Faktoren wie die richtige Behandlung des Holzes nach der Ernte oder die Berücksichtigung des Alters außer Acht gelassen wurden. Auf der anderen Seite entsteht so natürlich auch ein schöner Vintagelook, welcher derzeit auch eine sehr hohe Nachfrage erfährt.

Besondere Eigenschaften von Kastanienholz

Das Holz, welches man aus dem Baumstamm gewinnen kann, ist zäh und fest. Aufgrund eines vergleichsweise hohen Gerbsäureanteils von ungefähr 12 Prozent ist es gegenüber äußerlichen Einflüssen wie zum Beispiel Witterung, Luftfeuchtigkeit, Wasser, so wie Insektenbefall und Pilzen beständig. Daher verfügt das Holz auch über eine lange Haltbarkeit, nicht selten finden sich noch Möbel, welche vor ein paar Hundert Jahren angefertigt wurden und immer noch in gebräulicher Verfassung sind.

Lasuren und Lacke für längere Haltbarkeit, gleich wie die Behandlung mit einer Beize, sind somit nicht unbedingt notwendig, werden vom Holz aber sehr gut aufgenommen. Eine weitere Besonderheit des Holzes ist die hohe Biegsamkeit und die dabei geringfügige Gefahr von Splitterungen. Außerdem ist das Holz der Edelkastanie atmungsaktiv und verzieht sich im Gegensatz zu anderen Hölzern nur geringfügig. In diesen Punkten ist es den Eigenschaften von Eichenholz sehr ähnlich.

Markant ist zudem die fließende, individuelle olivbraune bis rötlichbraune Maserung, da die Kastanienbäume in den meisten Fällen grade wachsen und erst ab einer Höhe von knappen 12 Metern Äste haben. Der Charakter der Maserung entspringt auch den deutlich ausgeprägten Jahresringen der Edelkastanie, welche von großen Poren durchwachsen sind und so insbesondere im Längsschnitt zur Geltung kommt. Das Kernholz an sich ist, hat bei frischem Holz einen hellbraunen Farbton, welcher sich durch einen matten Glanz hervorhebt. Im Laufe der Zeit dunkelt das Holz nach und entwickelt dadurch eine noch individuellere und außergewöhnlichere Farbtönung.

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Verwendung als Baustoff

Wie bereits erwähnt findet Kastanienholz bereits seit Jahrhunderten Verwendung als Baustoff. Früher kam es dabei vor allem wegen der Witterungsbeständigkeit und dem geringen Einfluss von Wasser auf das Holz im Schiffsbau zum Einsatz. Die hohe Biegsamkeit war sicherlich ein weiterer guter Grund für die Verwendung von Kastanienholz als Baustoff, während die schöne Maserung eine eher geringfügige Rolle gespielt haben dürfte.

Heute findet es neben dem Schiffsbau draußen für verschiedenste weitere Zwecke Verwendung, wie zum Beispiel beim Bau von Schutzzäunen in Gebieten mit Lawinengefahr. Aber auch im heimischen Garten erscheint Kastanienholz heutzutage immer häufiger. Zum Beispiel in Form von dekorativen Gartenzäunen, Terrassen- oder Balkonschwellen, wie auch Fässern zur Regengewinnung. Die meisten Fässer aus Kastanienholz werden aber als typisches Weinfass gebaut.

Inzwischen werden auch Gartenmöbel, Klettergerüste, Fensterläden oder sogar Fassaden aus dem wetterbeständigen Holz gebaut. Nicht nur im Garten, sondern auch im Innenausbau wird inzwischen vermehrt auf Kastanienholz als Baustoff gesetzt. Angesichts der einfachen Bearbeitung der Bretter, bietet es sich ideal für Innenverkleidungen, Wandvertäfelungen, Parkett und natürlich auch andere Holzfußböden an. Außerdem kommt die allgemeine Inneneinrichtung auch nicht zu kurz.

Auffallend edel wirken besonders ältere Möbelstücke dank ihrer einzigartigen dunkelrötlichen Farblichkeit und ihrer ausgeprägten Maserung, dennoch steigt auch die Nachfrage an neugebauten Massivholzmöbeln oder furnierten Möbeln. Kastanienholz als Baustoff erfreut sich ebenso bei Schnitz- und Drechselarbeiten, sowie im Instrumentenbau steigender Beliebtheit. Wobei insbesondere Klavierbauer vermehrt auf Kastanienholz setzen. In manchen Regionen wird Kastanienholz auch als Brennholz verwendet, da es infolge des hohen Brennwertes, die Wärme im Kamin gegenüber anderen Hölzern länger halten kann.

Pflege von Kastanienholz

Auch wenn Kastanienholz als pflegeleichter Baustoff gehandelt wird, gibt es dennoch einige Dinge zu beachten, um Fehler zu vermeiden und das Holz möglicherweise zu schädigen. Insbesondere im Außenbereich können zum Beispiel Gartenmöbel mit entsprechender Holzschutzfarbe angestrichen werden oder mit bestimmten Lacken, Beizen oder Holzschutzmitteln behandelt werden. Die Häufigkeit der Anwendung ist abhängig vom gewählten Mittel, dementsprechend kann man sich auch im Fachmarkt beraten lassen. Oberflächliche Verschmutzungen können mit einem nassen Tuch entfernt werden, dabei sollte nur darauf geachtet werden ein möglichst weiches Tuch zu verwenden, um das Risiko von Kratzern zu vermindern.

Bei Möbeln im Innenbereich ist eine Behandlung durch dafür vorgesehene Holzwachse oder -öle unbedingt empfehlenswert, da diese die Atmungsaktivität des Holzes nicht beeinträchtigen.

Fazit

Kastanienholz als Baustoff ist in unterschiedlichsten Bereichen gefragt, dennoch handelt es sich derzeit vergleichsweise um ein Nischenprodukt. Aber egal ob bei Profis oder Hobbyhandwerkern, die Nachfrage nach Kastanienholz wächst, da es für die unterschiedlichsten Projekte die perfekten Eigenschaft mit bringt.

Die Qualität des Holzes kann stark variieren, daher ist es besonders für Unerfahrene ratsam sich entsprechend beraten zu lassen. Für ein gutes Stück Kastanienholz liegt der Preis im mittleren bis gehobenen Preisniveau. In der Zukunft könnte das Kastanienholz als Baustoff dennoch wieder sehr viel stärker in den Trend kommen. Angesichts des Klimawandels gilt die Edelkastanie als besonders anpassungsfähig und wärmeresistente Baumart, was eine Zunahme in den Wäldern bedeuten könnte.

Außerdem wird bereits an unterschiedlichen Konzepten geforscht, um dem Problem der Kernrisse und Ringschäle entgegenzuwirken. Bis es so weit ist, denkt man bei dem Wort Kastanie wohl weiterhin zunächst an die Früchte des Baumes, welche auf jedem Weihnachtsmarkt als geröstete, kandierte Makronen zu kaufen sind. Das Kastanienholz steht diesen Köstlichkeiten aber in nichts nach und kann sich durchaus ebenso sehen lassen.

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