Fertighaus mit Klinker – eine enorme Wertsteigerung

Das Wichtigste in Kürze
  • Klinker und Klinkerriemchen eignen sich auch für ein Fertighaus
  • Klinker lässt keine Feuchtigkeit ins Mauerwerk und ist für nachhaltiges Bauen geeignet
  • Klinker und Backstein ist nicht dasselbe
  • Eine Vormauer aus Klinkersteinen ist besser als Klinkerriemchen

Wer an Klinker-Häuser denkt, der denkt mit ziemlicher Sicherheit an Gegenden an der Nordsee, in den Niederlanden oder in London. Dabei kommt die Klinkerfassade bei Weitem nicht nur in diesen Gegenden zum Einsatz. Auch Bauherren aus anderen Gegenden setzen auf Klinker. Wenn es sich um ein Fertigteilhaus handelt, führt das Verklinkern sogar zu einer Wertsteigerung.

Was ist Klinker?

Heute ist eine Klinkerfassade schon lange nicht mehr nur rotbraun. Man kann sich auch für schwarzen, weißen oder grauen Klinker entscheiden. Traditioneller Klinker ist und bleibt jedoch natürlich der rotbraune Ziegel.

Dabei ist der Begriff „Ziegel“ jedoch vielleicht etwas irreführend. Es handelt sich bei Klinker nämlich nicht um einen einfachen Ziegelstein. Vielmehr ist Klinker eine eigene Ziegelart, die im Vergleich mit herkömmlichem Ziegelstein viel länger gebrannt wird. Daher auch der Name Hartbrandziegel. Diese besondere Behandlung, das sogenannte „Sintern“, macht Klinker wasserundurchlässig und besonders druckfest.

Durch das Sintern wird der Ziegel hart und wasserundurchlässig.

Die Menschen an der Nordsee lernten schon bald die Vorteile des Klinkers zu schätzen. Schließlich bietet der harte Ziegel den besten Schutz vor dem rauen Seeklima. Da das rote Mauerwerk keine Feuchtigkeit aufnimmt, ist es gerade in feuchten Gegenden der optimale Witterungsschutz für das Haus.

Verschiedene Arten von Klinker

Klinker wird durch die Art der Behandlung noch einmal in zwei verschiedene Klassen unterteilt.

Klinker
Das oberflächliche Sintern von Klinker führt zu geschlossenen Poren an der äußeren Schicht des Ziegels – in diesem Fall spricht man von Klinker.

Keramikklinker
Wird hingegen der gesamte Ziegel behandelt, spricht der Fachmann von Keramikklinker. Keramikklinker sind frostbeständiger, widerstandsfähiger, säure-, laugen- und lichtbeständiger als herkömmlicher Klinker.

Klinker-Stein
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Druckfestigkeitsklasse von Klinker und Keramikklinker
Um die Widerstandsfähigkeit von Mauerwerk zu unterscheiden, teilt der Fachmann Steine in Druckfestigkeitsklassen 2, 4, 6, 8, 12, 20, 28, 36, 48 und 60 ein. Auch hier sieht man den Unterschied zwischen Keramikklinker und herkömmlichem Klinker deutlich: Während Keramikklinker zur höchsten Druckfestigkeitsklasse 60 N/mm2 gehört, besitzt Klinker mit 28 N/mm2 gerade einmal eine durchschnittliche Druckfestigkeit.

Merksatz: Je höher die Druckfestigkeit, desto besser die Schalldämmwerte.

Der Unterschied zwischen Backstein und Klinker
Im süddeutschen Raum ist der Begriff Backstein der gebräuchliche Begriff. Er wird sinngemäß zum Begriff Klinker verwendet. Dennoch unterscheidet sich Backstein durch Rohstoff und Verarbeitung von herkömmlichem Klinker.
Zwar stellt man auch den Backstein aus Ton her, brennt ihn jedoch nur bei rund 900°C. Der Rohstoff für Klinker ist hingegen „blauer“ Ton mit hohem Silikatgehalt, welcher bei mindestens 1200°C gebrannt wird. Durch das Ausgangsmaterial und den speziellen Sinterungsprozess ist Klinker witterungsbeständiger und allgemein langlebiger.

Verschiedene Stile der Anbringung

Heute zieht man es in vielen Fällen vor, mit Klinkerriemchen zu arbeiten. Zu kosten- und zeitaufwändig erscheint es, ein Vormauerwerk aus Klinker aufzuziehen. Während es sich aber bei einem Vormauerwerk (der „echten“ Klinkerfassade mit Backsteinoptik) um eine zweite Mauer mit Hinterlüftung handelt, klebt der Bauherr bei der Fassade mit Klinkerriemchen lediglich schmale Riemchen auf das Mauerwerk. Diese Art der Klinkerfassade ist zwar um einiges günstiger (der Preis einer „echten“ Klinkermauer kann schnell in den fünfstelligen Eurobereich rutschen), dafür aber nicht annähernd so langlebig wie die Vormauer.

Dass Riemchenklinker auch beim Schallschutz dem echten Klinker nicht das Wasser reichen kann, ist klar. Dennoch: Ein mit Riemchen verblendete Mauerwerk hält nicht nur rein optisch mit dem Erscheinungsbild einer echten Klinkerfassade mit. Es ist ebenso pflegeleicht wie echter Klinker, muss jedoch nach rund 15 Jahren das erste Mal gewartet werden.

Nach 15 Jahren ist bei den Riemchen die Erneuerung des Oberputzes notwendig. Nach 20 Jahren die Ausbesserung der Fugen. Nach 30 Jahren muss das Wärmedämmverbundsystem komplett ausgetauscht werden. Mit einer Vormauer erspart man sich hingegen Wartungsarbeiten für mindestens 50 Jahre.

Tipp: Wer auf Riemchen setzt erreicht mit Thermoklinkern sehr gute Wärmedämmwerte.

Formate von Klinkersteinen

Zu den gängigen Formaten von Klinkersteinen (Steinhöhe x Steinbreite) gehören:

  • Normalformat (NF) : 240 x 71 mm
  • Dünnformat (DF): 240 x 52 mm
  • Lang-Dünnformat (LDF): 290 x 52 mm
  • 2xDünnformat (2DF): 240 x 113 mm
  • Waalformat (WF): 210 x 50 mm
  • Waal-Dickformat (WDF): 210 x 65 mm
  • Hamburger Format (HF) : 220 x 65 mm oder 220 x 55 mm
  • Oldenburger Format (OF): 220 x 52 mm
  • Altes Reichsformat (ARF): 250 x 65 mm
  • Klosterformat (KF): 285 x 85 mm oder 285 x 65 mm
  • Römerformat (RömF): 240 x 40 mm

Ein kleines Klinkerformat gilt als optisch ansprechender. Aber: Je kleiner das Klinkerformat, desto teurer die Fassade.

Fertighaus_Klinker
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Klinker beim Bau eines Fertighauses?

Natürlich ist es auch bei Fertighäusern möglich, eine Fassade aus Klinker aufzuziehen. Sowohl eine Vormauer als auch die Anbringung von Riemchen ist möglich.

Für das Fertighaus ist aber vor allem das Aufziehen einer Vormauer ein großer Gewinn: Mit echtem Klinker verleiht man einem Fertighaus nämlich die Eigenschaften eines Massivhauses! Und das sogar im Nachbau. Eine enorme Wertsteigerung. Schon allein dadurch, da das Anbringen eines modernen Wärmedämmsystems zwischen Außenwand und dem Klinkermauerwerk die Energieeffizienz verbessert. Die bestehende Fassade muss dabei in den meisten Fällen nicht demontiert oder abgetragen werden.

Im Gegensatz dazu ist es bei der nachträglichen Anbringung von Klinkerriemchen Voraussetzung, die bestehende Außenwandverkleidung abzutragen. Danach bringt der Fachmann eine Dampfbremse und eine neue Wärmedämmschicht an. Die Wand verschließt er mit Spanplatten und ummantelt sie mit Wärmeverbundsystemplatten. Erst nach diesen Arbeitsschritten bringt er die neue Fassade aus Klinkerriemchen an.

Vor jeder baulichen Veränderung Erlaubnis vom Bauamt einholen! Bei der Auswahl der Farbe ist auf den Bebauungsplan Rücksicht zu nehmen!

Klinker: Die Vorteile

Vormauer:

  • Die Lebensdauer einer Vormauer kann bis zu 100 Jahre betragen
  • Null Aufwand für Wartung und Pflege
  • Hohe Witterungsbeständigkeit
  • Feuchtigkeit hat keine Chance
  • Hohe Frostbeständigkeit
  • Sehr hohe Schalldämmung
  • Vielerlei Gestaltungsmöglichkeiten
  • Naturwerkstoff
  • Enthält keinen Kalk, keinen Zement und kein Bindemittel
  • Nachhaltiger als ein Vollwärmeschutz
  • Altziegel sind wiederverwertbar

Riemchen:

  • Wenig Aufwand für Wartung
  • Null Aufwand für Pflege
  • Ebenso schmutzabweisend wie die Vormauer
  • Gute Witterungsbeständigkeit
  • Hält Feuchtigkeit draussen
  • Gute Frostbeständigkeit
  • Günstig in der Anschaffung
  • Vielerlei Gestaltungsmöglichkeiten
  • Naturwerkstoff

Klinker: Die Nachteile

Vormauer:

  • kostenaufwändig
  • zeitaufwändig

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