Wann ist Estrich belegreif?

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Estrich ist belegreif, wenn er so trocken ist, dass Bodenbeläge auf ihm verlegt werden können.
  • Es gibt zwei Methoden, um die Belegreife des Estrichs zu prüfen.
  • Die einzig rechtssichere Methode, um die Belegreife des Estrichs zu prüfen, ist die CM-Methode.

Nassestrich muss vor den Bodenbelagsarbeiten erst einmal richtig austrocknen. Er muss also belegreif sein, was bedeutet, dass er für jede Art von Bodenbelägen seinen Nennfestigkeit erreicht haben und sich die Gleichgewichtsfeuchte zur Luft in der Umgebung eingestellt haben muss.

Warum muss der Estrich belegreif sein?

Frischer Nassestrich enthält Wasser. Dieses Wasser kann auf unterschiedliche Art und Weise Schäden anrichten. Das Ausmaß hängt vom eingesetzten Bodenbelag und von der verwendeten Estrichart ab. Nassestrich besteht aus Mörtel. In der Regel ist die Basis Zement oder Gips (Kalciumsulfat-Estrich).

Ganz besonders empfindlich sind Bodenbeläge aus Holz oder Holzwerkstoffen. Durch von unten eindringende Feuchtigkeit kann es zu Quellungen in unterschiedlichem Ausmaß kommen. Treten diese Quellungen zum Beispiel bei Trägerplatten von Parkettböden auf, so können diese irreparabel sein. Außerdem kann es bei Parkett, welches geklebt wurde, zur Dunklerfärbung der Fugen kommen.

Wird Vinyl verlegt, welches dampfdicht ist, kann die Restfeuchtigkeit aus dem Nassestrich gar nicht erst raus. Hier tritt oft eine massive Schädigung des inneren Gefüges auf. Handelt es sich um einen Zementestrich, so ist dieser gegen die ausströmende Feuchtigkeit unempfindlich.

Estrich Belegreife

Die Gleichgewichtsfeuchte hängt von den folgenden Faktoren ab:

  • der Raumtemperatur
  • der Luftfeuchtigkeit
  • der Estrichdicke.

Deshalb muss der Feuchtigkeitsgehalt des Nassestrichs vor der Genehmigung der Belegreife ermittelt werden. Selbst wenn die Mindesthärtungszeit von 28 Tagen bereits erreicht ist, muss der Feuchtigkeitsgehalt trotzdem ermittelt werden. Estriche aus Kalciumsulfat trocknen in der Regel in den ersten zwei Wochen schnell. Etwa 80 Prozent der Feuchtigkeit sind bereits abgegeben. Doch die übrigen 20 Prozent benötigen noch einmal die gleiche Zeit. Zementestrich härtet gleichmäßiger aus, benötigt allerdings auch die 28 Tage. In den ersten zehn Tagen muss Zementestrich vor einem zu raschen Feuchtigkeitsverlust geschützt werden.

Bevor der Fußbodenleger mit den Bodenbelagsarbeiten beginnt, hat er den Estrich auf folgende Punkte zu prüfen:

  • Ist der Estrich wirklich trocken?
  • Ist die Temperatur des Estrichs ausreichend?
  • Ist das Raumklima, bestehend aus Temperatur und Luftfeuchte, für die Fußbodenverlegearbeiten geeignet?
  • Ist beim Heizestrich ein Aufheizprotokoll inklusive Messstellen gegeben?

Der Estrich ist belegreif…

… wenn er trocken ist. Da Nassestrich als Frischmörtel verarbeitet wird, muss er trocken sein, bevor er mit Parkett, Laminat, Fliesen, Teppich oder Naturstein belegt werden darf. Doch woher weiß ein Bodenleger, wann der Estrich seine Belegreife erreicht hat?

Um das festzustellen benötigt es einer der folgenden Prüfmethoden:

  1. In Deutschland ist bislang nur die Calciumcarbit-Methode abgekürzt CM normgerecht. (DIN 18560-1 („Estriche im Bauwesen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen, Prüfung und Ausführung“) Der Bodenleger entnimmt für die CM-Prüfung aus der unteren Hälfte des Estrichs eine Mörtelprobe. Diese wird zerkleinert und in eine Spezialstahlflasche mit Manometer (Druckmessgerät) gegeben. Dann gibt er Calciumcarbid dazu. Nun wird die Stahlflasche geschüttelt. Das Wasser im Estrich reagiert mit dem Calciumcarbid und wird zu Azethylen-Gas. Es entsteht ein Druckanstieg in der Flasche. Die Höhe dieses Anstiegs wird mit dem Manometer gemessen. Die Restfeuchte des Nassestrichs ist umso höher, umso höher der Druck ist. Die Druckhöhe lässt sich direkt auf dem Manometer ablesen. Alternativ steht auch eine separate Eichtabelle zur Verfügung, um den Feuchtegehalt abzulesen. Dieser wird in CM-Prozent gemessen. Bei Kalciumsulfat-Estrichen darf der Wert maximal 0,5 CM-Prozent betragen. Bei Zementestrich sind es 2 CM-Prozent. Ein strengerer Wert gilt für Heizestrich auf Basis von Zement. Die korrekte Durchführung einer CM-Prüfung, kann man detailliert im TKB-Merkblatt 16 nachlesen. (TKB=Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe)
  2. Mit elektronischen Prüfgeräten kommt man in sekundenschnelle zu Messergebnissen. Dafür muss, anders wie bei der CM-Methode, die Estrichfläche nicht beschädigt werden. Die elektronischen Prüfgeräte erzeugen ein elektrisches Feld. Man hält das Prüfgerät über den Estrich und dieses misst die Durchlässigkeit des Mörtels für dieses elektrische Feld. Je feuchter der Estrich ist, umso größer ist die Durchlässigkeit des Mörtels. Dieses elektrische Messverfahren ist zwar zeitsparend und nicht zerstörerisch, aber bislang leider nicht DIN-konform.

Die einzig rechtssichere Methode für den Bodenleger ist deshalb die CM-Methode. Nur mit ihr kann die Estrichfeuchte vor dem Verlegen des Bodenbelags rechtssicher bestimmt werden. Doch auch die Anwendung der CM-Methode schützt den Fußbodenleger nicht vor einer Mängelrüge. Das kann dann passieren, wenn, wie in der Praxis üblich, die Messung nur an einem einzigen Messpunkt des Estrichs vorgenommen wird.

Nur bei ganz großen Estrichflächen sind mehrere Messpunkte vorgeschrieben. Doch auch bei kleinen Flächen kann der Feuchtigkeitsgehalt des Nassestrichs punktuell ganz unterschiedlich sein. So kann es in der Zukunft zu Feuchtigkeitsschäden kommen, auch wenn die CM-Prüfung ergeben hat, dass der Estrich trocken ist.

Das Risiko kann allerdings minimiert werden, wenn der Fußbodenleger vorab Messungen mit einem elektronischen Prüfgerät vornimmt. So kann an den verschiedensten Punkten die Restfeuchte des Estrichs gemessen werden. Diese Messung führt zu keiner Zerstörung des Estrichs.

Diese durchaus sinnvolle Vorabmessung entspricht zwar nicht der Norm, stellt aber sicher, dass der Gehalt an Wasser im Estrich an anderen Punkten nicht signifikant höher ist, als am CM-Kontrollpunkt.

Zusammenfassung

Ganz normaler Zementestrich benötigt ungefähr vier Wochen, bis er trocken und durchgehärtet ist. Kalziumsulfat-Estriche benötigen nur etwa zwei Wochen. Es gibt jedoch auch Schnellestrich, der Zusatzmittel als Inhaltsstoffe hat, damit er schneller trocknen kann. Zum Trocknungsverhalten muss auf die herstellerspezifischen Angaben geachtet werden.

Kein Fußbodenleger, ob privat oder gewerblich, darf sich jedoch auf die allgemeinen Angaben verlassen. Die Festigkeitsentwicklung muss geprüft werden. Nicht nur die Zusammensetzung des Mörtels bestimmt die Belegreife des Estrichs, sondern auch die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit, als äußerer Faktor. Es muss also stets auf jeder Baustelle individuell geprüft werden, wie hoch der Restfeuchtegehalt des Estrichs ist und ob der Fußbodenbelag bereits verlegt werden kann. Es drohen Schäden am Bodenbelag, wenn die Estrichfeuchte noch zu hoch ist. Das kann eine Mängelrüge nach sich ziehen.

Ein Estrich ist belegreif, wenn er einen Bodenbelag mangel- und schadensfrei aufnehmen kann, und zwar dauerhaft. Dieser Zustand ist eingetreten, wenn die Gleichgewichtsfeuchte erreicht ist, also der Gehalt an Wasser im Estrich gleich hoch ist wie der Gehalt an Wasser in der Raumluft. Dafür gibt es zwei Messmethoden, wobei nur die CM-Methode rechtssicher ist.

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