Walmdach: Vorteile, Nachteile und Kosten dieser Dachform

Das Walmdach besitzt einen ganz besonderen optischen Reiz, es blickt auf eine lange Tradition in der historischen Architektur zurück. Ein wenig nostalgisch wirken die geneigten Flächen an den Giebelseiten auf moderne Augen: Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb! – gibt es eine relativ große Anzahl von Bauherren, die ihr Haus damit versehen möchten. Wo liegen die Vor- und Nachteile dieser speziellen Dachform?

Das Walmdach in seinen verschiedenen Ausprägungen

Ein Walmdach besitzt stets einen Dachfirst; laufen die vier Dachschrägen spitz zu, handelte es sich um ein Zelt- oder Pyramidendach. Als »Walm« bezeichnet man die geneigte Dachgiebelseite, die diese Dachart auszeichnet. Entsprechend seiner verschiedenen Ausprägungen bringt das Walmdach unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich.

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  • Das klassische Walmdach setzt auf eine ausgeglichene Geometrie: Die Walme besitzen dieselbe Höhe und die gleiche Neigung wie die größeren Seitenflächen.
  • Der Krüppelwalm verfügt über kürzere Walme, die nicht bis zur Traufe der seitlichen Dachflächen reichen. Diese Variante wird auch Schopfwalmdach genannt.
  • Das Halbwalmdach ist ein Krüppelwalmdach, bei dem der Walm exakt halb bis zur Traufe der Seitenflächen reicht.
  • Der Fußwalm beginnt im oberen Walmabschnitt senkrecht und schrägt sich nach unten hin ab. Der Walm endet auf Traufhöhe der Dachseitenflächen. In Korea sieht man diese traditionelle Dachform besonders häufig.
  • Der Niedersachsengiebel stellt eine inzwischen selten gewordene Sonderform dar, die sich nicht als besonders praktisch erwiesen hat. Die geneigte Dachfläche befindet sich hierbei auf der Mitte der Giebelseite, darüber und darunter verläuft das Dach senkrecht.

Die Vorteile des Walmdachs auf einen Blick

Der größte Vorteil des Walmdachs liegt fraglos in der ästhetischen Optik, diese hebt sich wohltuend von den allgemein üblichen, relativ schmucklosen Satteldächern ab. Zudem erhält ein Neubau durch diese Dachform eine schöne nostalgische Note, die sich bei der Fassadengestaltung noch weiter vertiefen lässt.

Walmdachhäuser fügen sich besonders gut in historisch geprägte Straßenzüge ein und liefern einen wichtigen Beitrag zum Umgebungsschutz von architektonischen Denkmälern. Aber auch in typische Neubaugebiete passen sie sehr gut, ihre Optik entspricht trotz aller Historie dem modernen Geschmack.

Auch die herausragende Stabilität des Walmdachs stellt einen wichtigen Punkt dar, der deutlich für diese Dachform spricht. Die Gratpfetten beziehungsweise Sparren der Walme bilden gemeinsam mit dem First und der Traufe eine robuste Dreiecksverbindung, der so leicht nichts anhaben kann. Die Angriffsfläche für Wind und Sturm fällt beim Walmdach geringer aus als beim Satteldach, das erhöht die Lebensdauer.

Die Nachteile dieser Dachform unter der Lupe – Kosten und mehr

Insgesamt ist diese Dachvariante aber etwas aufwändiger zu erstellen als das übliche Satteldach, darum kommen auf den Bauherren einige Mehrkosten zu. Für ein Satteldach rechnet man mit durchschnittlichen 60 Euro je qm Dachfläche, das Walmdach liegt zum Vergleich im Rahmen von ungefähr 80 bis 100 Euro pro qm. Natürlich geben diese Preisangaben nur eine grobe Orientierungshilfe und können im Einzelfall auch anders ausfallen.

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Unser Tipp: Denken Sie daran, dass die Dachdeckervorarbeiten und die Eindeckung weitere Kosten aufwerfen, hier muss beim Walmdach mit nur geringen Mehrkosten im Vergleich zum Satteldach gerechnet werden. Die Gesamtdachfläche ist etwas größer, außerdem muss auch auf den Walm-Seiten für ein funktionierendes Regenwasser-Ableitungssystem gesorgt werden.

Der nach innen geneigte Walm sorgt für einen weiteren Nachteil: Bei dieser Konstruktionsart geht etwas Wohnfläche unter dem Dach verloren, vor allem das klassische Walmdach mit seinen ausgeprägten Schrägen zu allen vier Seiten zieht eine eingeschränkte Nutzbarkeit des Dachbodens nach sich. Der Krüppelwalm dämmt dieses Manko deutlich ein, während der Fußwalm zu erfinderinderischer Innenraumgestaltung anregt.

Der Niedersachsengiebel besitzt durch seine komplizierte Bauweise eine deutlich höhere Anfälligkeit für Witterungsschäden. Er ist nur für Bauherren zu empfehlen, die sich hierüber bewusst sind, doch für diese Dachform eine so große Vorliebe empfinden, dass sie diesen Nachteil in Kauf nehmen.

Kosten sparen beim Walmdachbau: So geht es!

Sein eigenes Haus mit einem schicken Walmdach zu schmücken, ist zwar etwas teurer, doch dieser Luxus macht sich auf verschiedene Weise bezahlt. Außerdem lassen sich die Kosten durchaus noch senken. Beispielsweise kann eine kostengünstige Eindeckung einen gewissen preislichen Ausgleich bringen, wenn Sie als Bauherr gleichzeitig darauf achten, dass die Qualität stimmt.

Handelt es sich um einen Altbau, der einen neuen Dachstuhl erhält, könnte es gut möglich sein, dass Sie für den energetischen Anteil der Sanierungsmaßnahmen staatliche Fördergelder erhalten. In Österreich gibt es eine relativ große Anzahl verschiedener Fördermöglichkeiten, beispielsweise durch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

Auch bei der fachgerechten energetischen Ausrüstung eines Neubaus können Sie mit Fördergeldern rechnen, die Ihr Hausdach insgesamt günstiger werden lassen. Auskunft über die verschiedenen Förderungsprojekte geben sowohl regionale Baubehörden als auch die örtlichen Bausparkassen.

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