Passivhaus oder Aktivhaus? Zwei Nachhaltige Bauweisen im Vergleich

Zwei Seiten einer Medaille: Unterschiedliche Wege zu mehr Energieeffizienz

Im Herbst herrscht für viele Bauvorhaben die Ruhe vor dem Sturm, bevor im sehnlichst erwarteten Frühling der Startschuss für den Bau der eigenen vier Wände fällt. Die Vorstellungen, wie das Traumhaus aussehen soll, stimmen dabei erstaunlich oft überein: Am liebsten ein Einfamilienhaus, vorzugsweise auf dem Land, möglichst hell und praktisch, ohne unnötigen Luxus oder Pomp, dafür mit Ofen oder Kamin. Dazu werden eine moderne Küche und ein Garten gewünscht. Außerdem muss das neue Zuhause in Sachen Energieeffizienz mindestens die gängigen Standards erfüllen.

Das energiesparende Heim ist dabei längst auch ein gesetzlicher Standard beim Bauen geworden. Für energieeffizientes Bauen, das darüber hinausgeht, gibt es aber zahlreiche Möglichkeiten. Zum Beispiel die beiden nachfolgend betrachteten Konzepte: Das Passiv- oder Nullenergiehaus einerseits und das Aktiv- oder Plusenergiehaus andererseits.

So oder so ähnlich sieht er aus: Der Traum vieler Hausbauer von den eigenen vier Wänden.

So oder so ähnlich sieht er aus: Der Traum vieler Hausbauer von den eigenen vier Wänden.

Passivhaus : Verringerung von Energieverlusten

Das Passivhauskonzept versucht Energieverluste durch bestmögliche Wärmedämmung zu minimieren. Die Abwärme von Bewohnern und technischen Geräten wird genauso im Haus behalten wie die des einfallenden Sonnenlichts. Das ermöglicht den Verzicht auf eine traditionelle Warmwasserheizung, spezielle Lüftungssysteme sorgen für konstante Innentemperaturen und eine ausreichende Luftzirkulation. Solarthermieanlagen dienen als Ergänzung, damit die Obergrenze des Jahresverbrauchs an Heizwärme von 15 kWh nicht überschritten wird.

Aktivhaus : Positive Energiebilanz

Ein Aktivhaus funktioniert weitgehend ähnlich, aber mit einem höheren Jahresenergieverbrauch. Der wiederum soll durch ein umfassendes Konzept zur Gewinnung erneuerbarer Energien nicht nur gedeckt, sondern übertroffen werden. Im Idealfall erzielte Überschüsse können dann sogar in das allgemeine Stromnetz eingespeist werden, entsprechende Speicher ermöglichen die Unabhängigkeit von externen Stromanbietern.

Zu diesem Zweck werden Photovoltaikanlagen verwendet, mit deren Ertrag sich wiederum Wärmepumpen betreiben lassen. Das Haus versorgt sich sozusagen selbst mit Strom und Wärme.

Voraussetzungen und Unterschiede der beiden Bauweisen

Die Bezeichnung von Passivhäusern und Aktivhäusern als Null- beziehungsweise Plusenergiehäuser ist zunächst irreführend, denn selbstverständlich verbrauchen auch sie Energie für Heizung, Warmwasserbereitung, Beleuchtung und technische Geräte.

Der grundsätzliche Unterschied zwischen den Bautypen besteht im Umgang mit der erzielten Energiebilanz: Passivhäuser bemühen sich sozusagen um ein Nullsummenspiel, während Aktivhäuser dem höheren Energieverbrauch mit einem umfangreicheren technischen Einsatz zur zusätzlichen Energiegewinnung entgegenwirken.

Die Bilanzierung der Energieverbrauchsanteile/Bedarfsseite gegenüber der Energieproduktion/Erzeugungsseite ist allerdings nicht unproblematisch, da bislang keine allgemeinverbindlichen Bedingungen existieren. Die berücksichtigten Kriterien können daher für beide Seiten gewissermaßen nach Bedarf weiter oder enger definiert werden.

Eine allgemein zufriedenstellende Bilanzierungsmethode ist daher unbedingt wünschenswert, damit die ökologische Bedeutung der Zielsetzungen von Passiv- und Aktivhäusern nicht als bloße Trickserei am Rechenschieber erscheint.

Gebäudedämmung bei Neubauten

Damit ein Gebäude möglichst keine Energie an die Umwelt abgibt und diese stattdessen im Haus bleibt, ist eine ausreichende Wärmedämmung für den gesamten Komplex eine Grundvoraussetzung. Verschiedene Maßnahmen sind durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 für jeden Neubau sogar verpflichtend.

Dämmung bei Dach, Keller und Wänden

Die richtige Dämmung des Daches macht ohnehin immer Sinn, weil sie die Heizkosten um bis zu 20 Prozent reduzieren kann. Sie verhindert außerdem ein zu starkes Aufheizen im Sommer und sorgt insgesamt für ein besseres Klima im Haus. Je nach Nutzung des Dachgeschosses kann dazu entweder die oberste Geschossdecke oder das ganze Dach gedämmt werden.

plattendämmung

Nachrüsten eines Hauses mit einer Plattendämmung

Die gängigsten Vorgehensweisen sind die Untersparren- oder die Vollsparrendämmung, die sich nur im jeweiligen Verfahren mit den Hohlräumen zwischen den Dachsparren unterscheiden. Beim Verzicht auf eine Unterspannbahn werden die Hohlräume nicht ausgefüllt, sie dienen dann der Belüftung des Dämmstoffes, der sonst schimmeln könnte. Eine abschließende Luftdichtheitssperre und Maßnahmen gegen Tauwasseransammlungen verwenden beide Methoden.

Kellerräume ohne Wärmedämmung führen ebenfalls zu erheblichen Energieverlusten, eine ausreichende Isolierung wird daher von der EnEV vorgeschrieben. Die Dämmleistung der Bodenplatte ist vor allem in den Randbereichen wichtig, dort wirkt die Auskühlung am stärksten.

Auch die Außenwände führen Wärme ab, die möglichen Dämmungsmethoden sind zahlreich: Sie reichen von einer monolithischen Außenwand bis hin zu einer tatsächlichen Holzverkleidung für die Fassade.

Weitere Möglichkeiten sind die Kerndämmung, bei der die Dämmstoffe den Zwischenraum einer zweischaligen Wand ausfüllen oder die Vorhangfassade, die mit Hilfe einer Unterkonstruktion an das Gebäudetragwerk angebracht wird. Eine platzsparende Methode der Wärmedämmung sind Vakuumisolationspaneele, die bei einer besseren Dämmleistung nur etwa ein Zehntel der Stärke anderer Dämmmaterialien besitzen.

Unterschiedliche Dämmstoffe

Die Auswahl an Dämmstoffen kann grob in sechs unterschiedliche Kategorien –  nämlich Platten-, Schütt-, Stopf-, Matten- und Einblasdämmstoffe, so wie einige Sonderprodukte – mit insgesamt weit mehr als 100 verschiedenen Materialien eingeteilt werden, von denen ein Großteil auf die Plattendämmung verfällt. Ansonsten reicht die Palette von Hanf, Flachs, Schafswolle und Dinkelspelzen über Glaswolle bis hin zu Dämmputzen und Sprühschäumen.

Grundsätzlich sind bei allen bestimmte Faktoren zu berücksichtigen:

  • Wärmeleitfähigkeit: Gibt den Grad an, bis zu dem Wärme durch das Material entweichen kann. Der Wert sollte daher möglichst niedrig sein.
  • Wärmespeicherkapazität: Beschreibt die Eignung des Dämmstoffes als Wärmeschutz im Sommer.
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: Betrifft die Verhinderung der Ausbreitung von Wasserdampf; ein hoher Wert steht für geringe Durchlässigkeit.
  • Baustoffklasse: Beschreibt die Brandschutzeigenschaften des jeweiligen Materials.
Kerndämmung Hausaußenwände

Kerndämmung für die Hausaußenwände.

WDVS: Wärmedämmverbundsystem

Das sogenannte Wärmedämmverbundsystem ist eine von außen aufgetragene Dämmung der Hauswände. Solche Systeme bestehen grundsätzlich aus:

  1. einer Befestigung
  2. dem Dämmstoff
  3. einer Putzträgerschicht
  4. einer Oberflächenschicht

Ein WDVS kann auf nahezu allen Untergründen angebracht werden, sogar auf Holzwerkstoffplatten, Flachpressplatten, sowie bei Fertighäusern mit einer Holzunterkonstruktion. Bei stark strukturierten Gebäudefassaden, wie beispielsweise bei Jugendstilhäusern, ist das Anbringen eines WDVS deutlich umständlicher, durch die Flexibilität der Einzelelemente aber eingeschränkt durchaus möglich.

Diese Systeme sind jedoch nicht frei von Kritik. Diese zielt vor allem auf die verwendeten Dämmstoffe, hauptsächlich Polystyrol, Mineralwolle und Holzweichfaserplatten. Bemängelt werden die hohe Entzündlichkeit und die schlechte Wärmespeicherkapazität, die über Nacht zu einer Auskühlung der Fassade und der Ansammlung von Tau und somit zu einem Wachstum von Algen und Pilzen führt. Dem wird mit dem Einsatz von Fungi- und Algizide entgegengewirkt. Das schützt den Dämmstoff zwar gegen äußere Einflüsse; Regen und Feuchtigkeit waschen die Giftstoffe allerdings aus. Das mindert einerseits den Schutz und belastet andererseits die Umwelt. Dazu kommt die vergleichsweise geringe Energieeinsparung des WDVS.

Heizungssysteme für Passivhäuser und Aktivhäuser

Auch ohne konventionelle Heizungen müssen Bewohner von Null- oder Plusenergiehäusern bei sinkenden Außentemperaturen nicht frieren. Dabei helfen zum Beispiel Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Aktivhäuser können selbst produzierte Energieüberschüsse für das Betreiben von Wärmepumpen nutzen.

Wärmerückgewinnung durch Lüftungsanlagen

Die Belüftung eines Passivhauses stellt die Betreiber vor zwei Herausforderungen: Zwar soll Frischluft in das Gebäude hinein, aber keine Energie heraus fließen.

Die Lösung sind spezielle Lüftungsanlagen, die sowohl für eine ausreichende Frischluftversorgung als auch für konstante Raumtemperaturen sorgen. Durch zentrale Lüftungen wird verbrauchte Luft ab- und zugleich unverbrauchte Luft angesaugt. Ein Wärmeüberträger heizt die kühle Frischluft durch die Wärme der Abluft auf Zimmertemperatur.

funktionsweise lueftungsanlage

Die weiteren Vorteile: Der Frischluftgehalt ist dauerhaft hoch, das besonders im Winter berüchtigte Stoßlüften entfällt. Ansonsten vielleicht unangenehme Gerüche werden permanent abgelüftet und Partikelfilter für den Wärmeüberträger schützen sogar Allergiker. Die Wärmerückgewinnungsquote ist das einzige Defizit, weil sie alleine manchmal nicht ausreicht und zusätzliche Heizkosten anfallen.

Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser

Aktivhäuser lösen das Problem des zusätzlichen Heizbedarfs durch den ergänzenden Einsatz von Wärmepumpen. Sie benötigen für ihren Betrieb zwar ebenfalls Energie, diese wird im Normalfall jedoch vom Haus selber gewonnen.

Wärmepumpen nutzen das natürliche Wärmepotenzial von Erde, Grundwasser oder Umgebungsluft und kehren dazu die Funktionsweise eines Kühlschranks gewissermaßen um. Die entstehende Wärme wird aber nicht abtransportiert, sondern an die Heizung und das Warmwassersystem abgegeben.

Die Grundlage des Systems ist ein zirkulierendes Kältemittel, das schon bei niedrigen Temperaturen gasförmig wird. Durch die im sogenannten Verdampfer zugeführte Wärme von der Energiequelle ändert das seinen Aggregatszustand und dehnt sich aus. Ein Kompressor verdichtet dieses Gas wieder, durch den erhöhten Druck steigt die Temperatur des Kältemittels weiter und die entstehende Wärme wird durch einen Verflüssiger dem Heizungssystem und der Warmwasserbereitung zugeführt. Ein Drosselventil bringt das Kältemittel für einen erneuten Durchlauf wieder auf den ursprünglichen Druck.

anteil wärmepumpen

Quelle: © http://de.statista.com/statistik/daten/studie/237364/umfrage/bedeutung-der-waermepumpen-im-neubau-in-deutschland/

Nachteile sind die nicht auszuschließende Notwendigkeit zusätzlichen elektrischen Nachheizens und die Umweltschädlichkeit des Kältemittels. Die Vorteile sind andererseits enorm: Es müssen keine Brennstoffe eingelagert oder benutzt werden, Schornsteine und Lagerungsmöglichkeiten sind somit unnötig. Dazu liegen Energieverbrauch und CO2-Emissionen auf einem sehr niedrigen Niveau.

Energiegewinnung – Erneuerbare Energien für das Haus

Passiv- und Aktivhäuser gewinnen beide einen Großteil der benötigten Energie aus der Sonnenstrahlung, nutzen diese aber unterschiedlich: Mit Solarthermie wird Sonnenenergie in thermische Energie zum Erwärmen des Brauchwassers oder als Ergänzung des Heizungssystems umgewandelt. Photovoltaikanlagen hingegen dienen ausschließlich der Stromerzeugung.

Solarthermie: Solarkollektoren und Solarspeicher

Die private Nutzbarkeit macht Solarenergie zur vielleicht populärsten Form der nachhaltigen Energiegewinnung. Durch Solarthermieanlagen dient die Sonnenenergie der Bereitstellung von warmem Wasser und der Unterstützung der Heizung, Einsparungen bis zu 70 Prozent bei den Warmwasserkosten sind so möglich.

Für Passivhäuser und Aktivhäuser ist die Nutzung der Sonnenenergie ein Muss.

Für Passivhäuser und Aktivhäuser ist die Nutzung der Sonnenenergie ein Muss.

Dazu wird eine Trägerflüssigkeit in den Solarkollektoren durch die Sonneneinstrahlung erwärmt. Eine Umwälzpumpe leitet diese Flüssigkeit zum Warmwasserspeicher, wo ein Wärmetauscher die mitgeführte Wärme an das Wasser abgibt und gleichzeitig die Trägerflüssigkeit für den nächsten Durchlauf abkühlt.

Die notwendigen Sonnenkollektoren lassen sich auf jedem Dach anbringen, die Größe ist abhängig von der gewünschten Funktion. Vier bis sechs Quadratmeter Kollektorflächen reichen für die Warmwasserversorgung einer vierköpfigen Familie aus, mit der doppelten Fläche kann auch die Heizung abgedeckt werden.

Solarspeicher lassen die Erträge dieser Energiegewinnung nicht verloren gehen. Je nach Funktion der Solarthermieanlage gibt es entsprechend unterschiedliche Speichertypen. Bivalente Solarspeicher oder Schichtenspeicher werden für die Warmwasserbereitung eingesetzt, für die Unterstützung der Heizung gibt es die größeren Puffer- oder Kombispeicher, die über einen zusätzlichen Tank für das Brauchwasser verfügen.

Photovoltaikanlagen: Einspeisung und Eigenverbbrauch, Speicher und Modularten

Effektiv und nachhaltig eigenen Strom produzieren und die Überschüsse gegen bares Geld ins Netz einspeisen, das sind die reizvollsten Aspekte von Photovoltaikanlagen, allein wegen ihrer Effizienz hinsichtlich der Energiegewinnung sind sie für Aktivhäuser ein Muss.

Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) von 2014 hat zwar bezüglich des Eigenverbrauchs und der Einspeisung von Solarenergie einige neue Regelungen eingeführt. Wer ein Einfamilienhaus mit einer entsprechend kleinen Anlage plant, kann jedoch beruhigt sein. Kleinanlagen mit Leistungen von maximal 10 Kilowatt fallen noch unter die Bagatellgrenze und sind von der sonst fälligen EEG-Umlage befreit.

Die 20jährige Garantie der Vergütungssätze gilt mit dem EEG auch nur noch für Kleinanlagen, wegen des fortschreitenden Photovoltaik-Zubaus und einer konstanten Degression fallen diese allerdings stetig.

Damit wird Photovoltaik als Anlagemöglichkeit zwar weniger attraktiv, umgekehrt verhält es sich durch ständig verbesserte Wirkungsgrade der Module bei der Energiegewinnung. Preise und Leistung der verschiedenen Modultypen differieren allerdings teils deutlich:

  • Monokristalline Module bieten den höchsten Siliziumgehalt und damit den größten Wirkungsgrad, die Herstellungsmethode ist allerdings die teuerste und aufwändigste, die Preise dementsprechend hoch.
  • Polykristalline Module verfügen über einen geringeren Siliziumgehalt, mit einer entsprechend niedrigeren Leistungsfähigkeit. Diese kann jedoch durch eine größere Fläche kompensiert werden.
  • Dünnschichtzellen bestehen zu 0,001 Millimeter dicken Schichten aus amorphem Silizium oder Cadmium-Indium-Diselenid (CIS) auf einem Trägermaterial. Ihre Produktion ist günstiger wegen des geringen Verbrauchs an Energie und Material. Sie sind flexibel als Designelement oder Sonnenschutz einsetzbar, der Leistungsabfall bei Verschattungen ist unwesentlich.

Batteriespeicher hingegen machen hauptsächlich dann Sinn, wenn sowohl die Erträge der eigenen Stromproduktion als auch die Preise für zugekauften Strom sehr hoch ausfallen. Die Berechnung der Rentabilität bleibt dennoch schwierig, was vor allem an der Berücksichtigung der schwer zu kalkulierenden mittelfristigen Entwicklung der Strompreise liegt. Dazu kommen hohe Anschaffungskosten im fünfstelligen Bereich.

Gebäudeautomation: Smart Home oder nicht?

Voll automatisierte Häuser sind längst keine Science-Fiction mehr. Mit Smart Homes soll das Wohnen durch die Vernetzung fernsteuerbarer Geräte und die Automatisierung von Abläufen optimal an die Bedürfnisse der Hausbewohner angepasst werden. Die Möglichkeiten reichen von der Bedienung der Unterhaltungselektronik per Smartphone bis zu Sicherheitsaspekten.

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Die Haustechnik mit dem Smartphone bedienen – Smart-Home Lösungen machen es möglich.

 

Für Passiv- und Aktivhäuser sind Energiesparmöglichkeiten am wichtigsten. In diese Kategorie fällt beispielsweise das Smart Metering, die Verwendung sogenannter „intelligenter Zähler“. Mit deren Hilfe sollen Zeit und Umfang des Verbrauchs von Strom, Wasser etc. für den Kunden besser erkennbar werden, um die entsprechenden Maßnahmen für eine Senkung des Verbrauchs ergreifen zu können.

Eine noch direktere Kontrolle des Energieverbrauchs bieten Vernetzungslösungen, die nicht genutzte elektronische Geräte automatisch vom Stromnetz nehmen. Energie fließt somit nur dort, wo sie gebraucht wird.

Die Kosten für Passivhaus und Aktivhaus

Bevor ein Passiv- oder Aktivhaus eine Kostenersparnis einbringt, stehen wie bei jedem Bauvorhaben zunächst erhebliche Kosten an. Durch die verschiedenen Sonderausstattungen eines energieeffizienten Heims steigen diese sogar noch weiter an.

Finanzierungskosten für den Hausbau

Unabhängig von der Art des Eigenheims sind bestimmte Faktoren der Finanzierung immer zu berücksichtigen; sinnvoll ist beispielsweise eine Gegenüberstellung von Ausgaben und Einnahmen, um den zu erwartenden beziehungsweise zu verkraftenden Kreditrahmen richtig zu kalkulieren.

Wichtig ist ebenso die Berücksichtigung der Bauzinsen. Die liegen langfristig immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau, sind aber von mehreren Faktoren abhängig. Nicht allein der Leitzins der Europäischen Zentralbank, auch die Bonität des Kreditnehmers – also Einkünfte und bestehendes Vermögen – haben Einfluss auf die Kreditkonditionen.

Das hat auch die Zinsbindungsdauer, für die gilt: Je länger die Bauzinsen festgeschrieben werden, desto höher sind sie und umgekehrt. Eine kürzere Bindungsdauer ist dabei keineswegs die kostengünstigere Variante, denn im Fall einer Anschlussfinanzierung bei zwischenzeitlich gestiegenen Zinssätzen entstehen Mehrkosten. Eine längere Zinsbindung schützt vor solchen Schwankungen. Wer sich im Vorfeld über die Entwicklungen der Bauzinsen informieren möchte, kann beispielsweise diese Vergleichstabelle zu Rate ziehen.

Die basiert auf einer Musterrechnung, die von einem Immobilienkaufpreis von 352.000 Euro und einem Nettodarlehensbetrag von 190.000 Euro ausgeht, bei einem gebundenen Sollzinssatz von 1,02 Prozent.  Konkretere Zahlen zu den Bauzinsen des eigenen Bauvorhabens liefert der Zinsrechner der Seite.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob und in welcher Form eine solche Finanzierung abgesichert werden soll, damit diese nicht durch einen unerwarteten Todesfall, Krankheit oder Arbeitslosigkeit gefährdet wird. Die gängigsten Modelle sind hierbei Risikolebens- und Restschuldversicherungen, konventionelle Lebensversicherungen haben sich als unsichere Lösung herausgestellt.

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Schon vorab sollten sich Bauherren über Kreditrahmen, Bauzinsen und Baunebenkosten informieren.

Zu all diesen Ausgaben kommen die Baunebenkosten. Die umfassen beispielsweise die Kosten für den Grundstückserwerb, eventuelle Maklerprovisionen und Notargebühren. Dazu kommen weitere Gebühren für Bauanträge, Kosten für die Grundstückserschließung, notwendige Versicherungen sowie Baustrom und –wasser – und nach Fertigstellung der eigenen vier Wände bleiben noch Betriebs- und Instandhaltungskosten.

Mehrkosten für mehr Effizienz?

Die besonderen Vorgaben für Passiv- als auch Aktivhäuser erfordern diverse Sonderausstattungen und zusätzliche Investitionen. Eine Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Bauphysik hat zur Ermittlung der möglichen Mehrkosten einen Vergleich von Plusenergiehäusern mit Gebäuden nach dem Standard des KfW Effizienzhaus 70 angestellt. Das Ergebnis – nachzulesen ab Seite 42 der Infobroschüre „Wege zum Effizienzhaus Plus“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit – waren zusätzliche Kosten zwischen 230 und 325 Euro pro Quadratmeter.

Die größten Posten waren dabei die Gebäudedämmung (50 bis 80 Euro) und die Photovoltaikanlagen (80 bis 90 Euro). Die Mehrkosten für das Lüftungssystem (30 bis 50 Euro), sowie für die Wärmepumpen (35 bis 50 Euro) fielen deutlich geringer aus. Energiesparsame Elektrogeräte kosten weitere fünf bis zehn Euro pro Quadratmeter, der Einbau eines Batteriespeichers bedeutet zusätzliche 30 bis 35 Euro.

Beispiel: Kosten für Solarthermieanlagen contra Kosten für Photovoltaikanlagen

Bei der Anschaffung einer Solarthermieanlage fallen in etwa die folgenden Kosten an:

  • Kollektoren: zwischen 250 Euro (Flachkollektoren) und 750 Euro (Vakuumröhrenkollektoren) pro Quadratmeter
  • bivalenter Pufferspeicher: zwischen 1.400 Euro (emailliert) und 3.000 Euro (Stahl)
  • Verrohrung: 20 bis 35 Euro pro laufendem Meter
  • weitere Einzelkomponenten: Ausdehnungsgefäß (ca. 100 Euro), Steuerung und Solarkreispumpe (jeweils rund 300 Euro)
  • Installation: etwa 1.000 Euro

Der Gesamtbetrag für eine ausreichend große Solarthermieanlage kann somit im günstigsten Fall deutlich unter dem fünfstelligen Bereich liegen.

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Verschiedene Anlagen zur Nutzung der Sonnenenergie lassen sich auch kombinieren – zu den entsprechenden Kosten.

Das ist bei einer Photovoltaikanlage trotz sinkender Modulpreise nicht zu erreichen:

  • Module: je nach Typ zwischen 0,45 und 0,90 Euro pro Watt peak
  • Wechselrichter für die Spannungsumwandlung: ca. 200 Euro pro Kilowatt Leistung
  • Kabel: zwischen einem und fünf Euro pro Meter; Anschlusskabel für den Wechselrichter: 20 bis 50 Euro
  • Montagesystem: 100 bis 150 Euro pro kWp; Montage: 100 Euro/kWp
  • Teile für das Einspeisemanagement: 150 Euro

Insgesamt können somit Kosten von über 1.500 Euro/kWp entstehen, je nach Größe der Anlage ist eine fünfstellige Summe daher schnell erreicht.

Beispiel: Kosten für Lüftungsanlagen contra Kosten für Wärmepumpen

Die zu kalkulierende Preisspanne für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung liegt zwischen 4.000 bis 7.000 Euro. Dazu kommen noch die Betriebskosten, wie beispielsweise Filterwechsel, die jedoch im Vergleich zu den Investitionskosten kaum ins Gewicht fallen.

Deutlich teurer sind Wärmepumpen. Selbst die Erdwärmepumpe als günstigste Variante kostet ab 8.500 Euro, Wasser-Wärmepumpen und Luft-Wärmepumpen liegen mit Preisen von 9.000 beziehungsweise 10.000 Euro noch darüber. Wenn zusätzlicher Strom für den Betrieb der Pumpe nötig ist, können weitere Kosten von bis zu 1.000 Euro im Jahr entstehen

Fördermittel – KfW und staatliche Mittel

Bei allen notwendigen Investitionen für Null- beziehungsweise Plusenergiehäuser bieten die entsprechenden Fördermittel immerhin eine Abmilderung. Denn energieeffizientes Bauen wird nach wie vor von unterschiedlichen Stellen belohnt und Kombinationen von Förderungen durch verschiedene Programme sind möglich.

Fördermittel von der KfW für Neubauten: Voraussetzungen und Programme

Die KfW-Bankengruppe fördert unter anderem Neubauten und Sanierungen, deren Energieeffizienz über den gesetzlichen Vorgaben der EnEV liegt. Je niedriger der endgültige Verbrauch des Hauses, desto günstiger fällt die Förderung aus.

Das Programm 153 besteht aus einem zinsverbilligten Darlehen in Höhe von 100 Prozent der Bauwerkskosten. Maximal werden 50.000 Euro pro Wohneinheit bewilligt bei einem derzeitigen effektiven Jahreszins von 0,75 Prozent. Darüber hinaus besteht die Aussicht auf einen Tilgungszuschuss, der im Idealfall 10 Prozent beträgt.
Der Kredit 274 ist für den Kauf, Aufbau und die Erweiterung bestehender Photovoltaikanlagen bestimmt, allerdings muss ein Teil des produzierten Stroms in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.
Der Kredit 275 für Solarenergiespeicher besteht aus zwei Teilen, nämlich dem KfW-Kredit und einem Tilgungszuschuss des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Gefördert werden damit kombinierte Anlagen aus Photovoltaik und Batteriespeicher sowie Speichernachrüstungen. 

Staatliche Fördermittel für energieeffizientes Bauen: Voraussetzungen und Programme

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat hierfür gleich zwei Innovationsförderprogramme für energieeffizientes Bauen, nämlich für Solarthermieanlagen und Wärmepumpen. Letztere ist abhängig von den Jahresarbeitszahlen und der generellen Systemeffizienz. Die Fördersumme variiert nach der verwendeten Wärmepumpe und dem Zubehör: Einfache Luftwärmepumpen werden mit 1.300 bis 1.600 Euro unterstützt, die Fördermittel für eine effizientere Solewärmepumpe mit zusätzlichem Pufferspeicher können bei bis zu 12.300 Euro liegen.

Für die Förderung von Solarthermieanlagen sind verschiedene Konditionen möglich, grundsätzlich werden Anlagen zwischen 20 und 100 Quadratmetern gefördert. Für eine Warmwasseranlage gibt es bis zu 75 Euro pro Quadratmeter, bei einer Unterstützung der Heizung steigt der Betrag auf bis zu 150 Euro. Kombinationen mit anderen förderfähigen Anlagen oder das Erreichen von Effizienzanforderungen ermöglichen zudem verschiedene Boni.

Fazit – Passivhaus oder Aktivhaus – Preis und Leistung

Nachhaltigkeit hat ihren Preis, vor allem beim Einzug in das eigene Heim. Wer über die allgemeinen Vorgaben der Energieeinsparverordnung hinaus energieeffizient bauen möchte, muss mit erheblichen Mehrkosten für die entsprechenden Maßnahmen rechnen. Immerhin werden die zumindest teilweise von verschiedenen Fördermöglichkeiten gedeckt, wichtigster Aspekt wird vielfach dennoch der Kosten-Nutzen-Vergleich bleiben. Ob und wann sich Mehrausgaben für Gebäudedämmung, Lüftungsanlagen, Solarthermie, Photovoltaik und Wärmepumpen amortisieren, lässt sich manchmal nur schwer einschätzen.

Trotz allem macht jeder Versuch, erneuerbare Energien effizient und vielleicht sogar gewinnbringend zu nutzen, in jedem Fall Sinn. Im Zweifelsfall müssen die dahingehenden Maßnahmen eben dem finanziellen Rahmen angepasst werden, als Zukunftsperspektive werden sie langfristig nicht zu umgehen sein.

 

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