Heizung richtig entlüften – unsere einfache Anleitung

Am Ende der warmen Jahreszeit holen wir die Heizung aus ihrer Sommerpause zurück, doch nicht immer ist sie sofort einsatzklar. Lauwarme Heizkörper und ein ständiges Gluckern sind nicht das, was sich der fröstelnde Wohnungsinhaber wünscht, wenn die Außentemperaturen stetig sinken. Doch dieses Problem ist in den meisten Fällen ganz leicht zu beheben, dafür brauchen Sie nicht immer einen Heizungsfachmann: Wir sagen Ihnen, wie Sie Ihre Heizung richtig entlüften und eventuell noch das Thermostat reparieren. So wird es endlich wieder richtig schön warm in Ihren vier Wänden!

So erkennen Sie, ob die Heizung entlüftet werden muss

Die Anzeichen für zu viel Luft im Heizungssystem sind einfach zu erkennen, denn wenn die Heizkörper nicht genügend mit Wasser gefüllt sind, ergeben sich ganz klare Symptome. Zum einen kommt es oft zu typischen Geräuschen, ein leises oder auch lautes Gluckern, das richtig störend wirken kann.

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Die Heizung funktioniert nicht – ein Horrorszenario im Winter.

Außerdem werden die Heizkörper nicht richtig warm, vor allem im oberen Abschnitt bleiben sie oft sogar ganz kalt, denn dort befindet sich die Luft. Die optimale Wasserverteilung im Heizsystem ist durch die viele Luft gestört, der energetische Aufwand zur Erwärmung steigt. Es wird also teuer und bleibt trotzdem kalt: Zeit, zu handeln!

Unser Tipp: Nicht jedes Leitungswasser ist zum Befüllen der Heizungsanlage geeignet, die VDI Richtlinie 2035 gibt Auskunft über entsprechende Grenzwerte. Ist Ihr Wasser zu hart oder überschreitet es gewisse pH-Werte, wird eine Wasseraufbereitung nötig, um das Heizungssystem vor Schäden zu bewahren. Es gibt in diesem Bereich zum Beispiel Systemaufbereitungsanlagen, die im bestehenden Wasserkreislauf arbeiten, aber auch Entmineralisierungsgeräte und automatisierte Heizungsbefüllanlagen.
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Gerade alte Heizungen benötigen die richtige Wartung.

So entlüften Sie Ihre Heizung richtig: eine Anleitung

  1. Um die Heizung wirklich effektiv zu entlüften, sollte genügend Wasser im System zirkulieren. Prüfen Sie nach, ob dies der Fall ist. Schauen Sie dafür auf die Wasserdruckanzeige (Manometer) an der Heizungsanlage, zumeist ist diese so farblich gekennzeichnet, dass sich ein zu niedriger oder zu hoher Druck auf dem ersten Blick erkennen lässt. In der Regel liegt der optimale Wasserdruck bei 1,5 bar, im Bereich von unter 1,0 bar besteht dringender Nachfüllbedarf.
  1. Bei zu niedrigem Wasserdruck schalten Sie die Umwälzpumpe der Heizung aus. Das funktioniert über den Hauptschalter der Heizungsanlage oder über den Not-Aus-Schalter. Eventuell besitzt Ihre Heizung auch eine Sommer-Einstellung, die Sie betätigen können, um die Pumpe auszuschalten. Im Zweifelsfall schauen Sie in die Bedienungsanleitung Ihrer Zentralheizung, um herauszufinden, wie Sie in Ihre speziellen Fall vorgehen müssen. 
  1. Ist die Umwälzpumpe ausgeschaltet, füllen Sie Wasser in den Heizkreislauf nach. Drehen Sie alle Ventile der angeschlossenen Heizkörper auf und schließen Sie einen Schlauch am Einlassventil der Heizungsanlage an, falls hier keine feste Leitung installiert ist. Füllen Sie den Schlauch zuerst durch Aufdrehen des Wasserhahns vorsichtig mit Wasser, bevor Sie ihn am Verbindungsstück ganz festdrehen. Wenn Sie dabei einen Eimer unterstellen, richten Sie auch keine Überschwemmung an. Erst wenn Wasser kommt, ziehen Sie die Verbindung endgültig fest.
  1. Lassen Sie das Wasser in die Heizungsanlage strömen, bis das Manometer den Idealdruck anzeigt. Drehen Sie den Wasserzulauf aus und deinstallieren Sie den Schlauch: Die Heizungsanlage ist aufgefüllt, nun muss nur noch die überschüssige Luft entfernt werden.
  1. Nun entlüften Sie einen Heizkörper nach dem Nächsten, fangen Sie im unteren Stockwerk an. Nehmen Sie dafür einen alten Lappen, ein kleines Wassergefäß und eine Zange bzw. einen Vierkantschlüssel zur Hand. Halten Sie mit der einen Hand das Gefäß unter das Entlüftungsventil der Heizung und schrauben Sie es mit der anderen Hand auf. Oft erweist es sich auch als sinnvoll, das Ventil mit dem Lappen zu umwickeln, probieren Sie es einfach aus.
  1. Nun drehen Sie das Entlüftungsventil vorsichtig auf und lassen die Luft entweichen. Falls es nicht schnell genug geht, justieren Sie noch ein bisschen nach, aber Achtung: Je zügiger Sie entlüften, desto plötzlicher kommt das Wasser heraus! Sobald das erste Wasser austritt, schrauben Sie das Ventil wieder zu. Nun kommt der nächste Heizkörper an die Reihe.
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Sie benötigen dazu keine Zange – ein einfacher Schlüssel für das Ventil reicht.

Unser Tipp: Das Drehen des Entlüftungsventils ist mit einigem Kraftaufwand verbunden, der sich mit einem technischen Hilfsmittel vermeiden lässt: Wer sich automatische Entlüfter in seine Heizkörper einbauen lässt, muss nicht mehr selbst Hand anlegen, außerdem gerät dieser wichtige Part der Heizungspflege nicht mehr in Vergessenheit. Diese schöne Lösung hat nur einen Nachteil: Fällt der Wasserstand unter ein gewisses Niveau, wird sich die Heizung geräuschvoll äußern. Dasselbe geschieht, wenn das Ausdehnungsgefäß nicht mehr intakt ist.

Auch Mieter dürfen ihre Heizkörper selbst entlüften

Das eigenhändige Entlüften der Heizkörper ist nicht nur Hauseigentümern und Vermietern vorbehalten, auch Mieter dürfen selbst entlüften und so für eine funktionierende Heizung sorgen. Dem Vermieter wiederum obliegt die Pflicht, die Zentralheizung zur kalten Jahreszeit mit passendem Wasserdruck einzuschalten. Tags sollte immer eine Zimmertemperatur von mehr als 20 Grad möglich sein, nachts zwischen 23 und 6 Uhr genügen in der Regel 18 Grad.

Heizung wird danach nicht warm: Thermostat defekt?

Ihre Heizung wird trotz gründlichen und richtigem Entlüftens nicht richtig warm, doch die Heizungsanlage funktioniert ordnungsgemäß? Wahrscheinlich liegt das Problem beim Thermostatventil des jeweiligen Heizkörpers. So reparieren Sie Ihr mechanisches Thermostat, wenn der Ventilstift aufgrund von Ablagerungen klemmt:

  1. Nehmen Sie den Thermostatkopf ab.
  2. Greifen Sie den Ventilstift vorsichtig mit einer Zange.
  3. Bewegen Sie den Stift einige Male vor und zurück.
  4. Hören Sie auf, wenn er sich wieder leicht bewegen lässt.
  5. Schrauben sie den Thermostatkopf wieder auf.

Nicht immer lässt sich das Thermostat auf diese Weise reparieren, manchmal löst sich der Ventilstift nicht wieder, ein anderes Mal setzt er sich nach kurzer Zeit schon wieder fest. Dann führt kein Weg mehr um den Kauf eines neuen Thermostats herum, nehmen Sie hierfür Ihr altes Zubehörteil mit in den Fach- oder Baumarkt, um sicherzugehen, dass sie ein passendes neues Produkt kaufen.

Unser Tipp: Ist Ihr altes mechanisches Thermostatventil nicht mehr zu reparieren, tauschen Sie es vorzugsweise durch ein elektronisches Teil aus. Damit wird Ihr Heizkörper programmierbar – und Sie sparen ganz gezielt Energie. Elektronische Thermostate sind natürlich etwas teurer als ihre mechanischen Pendants, doch dieses Geld sparen Sie bald schon wieder ein. Elektronische Thermostate eignen sich vor allem für Wohnungen, deren Nutzer keinen Zugriff auf die programmierbare Zentralheizung besitzt.

Auf einfache Weise mehr winterliche Wohnqualität

Wer auf diese Weise seine Heizung regelmäßig neu justiert, sorgt dafür, dass er es auch zur kalten Jahreszeit wohlig warm hat. Im Normallfall ist die Heizungsentlüftung höchstens einmal pro Jahr fällig, in manchen Jahren kann sie sogar ganz ausfallen: Ein geringer Aufwand also für ein gutes Stück mehr Wohnqualität.

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