Fliesenkleber entfernen – unsere Anleitung

Alte Fliesen mit schwerem Gerät von der Wand zu schlagen, das macht jede Menge Arbeit – von dem entstehenden Schmutz und Lärm ganz zu schweigen. Nach dem Entfernen des alten Wandbelags bleibt allerdings immer noch etwas zurück, nämlich der harte Fliesenkleber, der schließlich darauf ausgelegt ist, jahrzehntelang zuverlässig zu halten. Nur eine komplett gesäuberte, glatte Wand lässt sich vernünftig weiter bearbeiten, darum kommen Sie nicht umhin, auch diese hartnäckigen Reste vom Untergrund zu lösen. Doch wie funktioniert das überhaupt?

Zuerst den vorhandenen Untergrund gründlich prüfen

Der erste Schritt zu einer sauberen Wand besteht darin, den zur Verfügung stehenden Untergrund unter die Lupe zu nehmen: Treffen Sie hier auf eine intakte, belastbare Bausubstanz – oder reagieren Putz und Wand empfindlich auf mechanische Belastungen? Bei einem bröselnden Putz stellt sich die Frage, ob Sie ihn nicht besser gemeinsam mit dem Fliesenkleber abtragen, um danach einen neuen Schichtaufbau vorzunehmen. Soll die empfindliche Fläche allerdings erhalten bleiben, müssen Sie mit besonderer Vorsicht vorgehen. Möchten sie einen Bohrmeißel oder eine Fräse verwenden, um Fliesenkleber von einem sensiblen Untergrund zu entfernen, engagieren Sie dafür besser einen Fachmann. Die Alternative besteht darin, zwar schonende, aber langwierige Methoden anzuwenden.

Nach dem Abschlagen der Fliesen bleiben große Mengen Kleberreste zurück

Welche Art von Fliesenkleber wurde verwendet?

Auch die Art des Fliesenklebers entscheidet über Ihre Herangehensweise. Im besten Fall erinnern Sie sich selbst noch daran, wie der betreffende Kleber beim Auftragen beschaffen war:

  • Handelt es sich um ein vormals pulverförmiges Material, das mit Wasser angesetzt wurde? Dann haben Sie es mit einem weitgehend mineralischen Produkt zu tun, das sich chemisch nicht wieder anlösen lässt: Entfernen Sie diesen Kleber mit mechanischen Mitteln, beispielsweise mit dem Bohrmeißel.
  • Dispersionskleber hingegen werden als cremige Substanz angeliefert und aufgetragen, sie sind auch nach dem Trocknen noch chemisch anlösbar. Mit Hilfe eines passenden Abbeizers gelingt es Ihnen, die störenden Reste von der Wand zu bekommen.
  • Wurden vor dem Auftragen des Fliesenklebers zwei cremige Komponenten miteinander gemischt, so handelt es sich um Reaktionsharze, die äußerst schwierig zu entfernen sind. Hier helfen zumeist nur besonders rabiate mechanische Mittel, wie zum Beispiel die Verwendung einer Diamantfräse.
Tipp: Auch die Konsistenz des Fliesenklebers und seine Haftung am Untergrund spielt eine wichtige Rolle bei der Wahl der Entfernungsmethode. Schlecht haftende Kleberreste von bröckelnder Konsistenz lassen sich womöglich recht leicht manuell mit Hammer und Meißel abklopfen.

Wie erkenne ich, um welchen Fliesenkleber es sich handelt?

Waren Sie nicht dabei, als Ihre alten Fliesen aufgebracht wurden, so können Sie einfach ausprobieren, ob damals ein chemisch lösbarer Klebstoff verwendet wurde. Besorgen Sie sich zu diesem Zweck ein kleines Gefäß Dispersionsabbeizer, streichen Sie einen begrenzten Bereich damit großzügig ein und warten Sie ab, ob die getrocknete Substanz sich dadurch löst. Wenn Sie die Kleberreste nach spätestens einer halben Stunde nicht mit dem Spachtel abkratzen können, dann haben Sie ein Produkt vor sich, das sich ausschließlich mechanisch entfernen lässt. Ob es sich dabei um ein Reaktionsharz oder um einen mineralischen Kleber handelt, ist von untergeordneter Bedeutung, doch häufig durch einen einfachen Sichttest feststellbar: Körniges Material deutet auf Mineralkleber hin, während glatte Oberflächen ohne Körnigkeit wahrscheinlich einem Epoxid- oder Polyurethanharz zuzuordnen sind.

Tipp: Ihre Fliesen befinden sich noch an der Wand? Wenn Sie sich die anstrengende und schmutzige Arbeit sparen möchten, dann denken Sie einmal über folgende Vorschläge nach: Wie wäre es, die neuen Fliesen auf den alten anzubringen? Dafür tragen Sie einfach zunächst einen Haftgrund auf und spachteln die Fläche anschließend mit Fliesenkleber glatt. Als Alternative bietet sich der Fliesenputz von Ultrament an, der sich auch in typischen Nassräumen bewährt hat.

Fliesenkleber mechanisch entfernen: So geht’s!

Fliesenkleber müssen Sie nicht unbedingt manuell mit Hammer und Meißel entfernen

Als Werkzeuge zum Entfernen von Fliesenkleber kommen sowohl manuelle als auch elektrische Geräte infrage. Einige davon haben wir oben bereits genannt, andere kommen noch hinzu. Hier eine kleine Werkzeugliste:

  • Spachtel mit biegefester Klinge
  • Stecheisen
  • Hammer und Meißel
  • Bohrmeißel
  • Multifräse, eventuell mit Diamantblatt
  • Kantenschleifer (Flex mit Schleifaufsatz)
  • Winkelschleifer mit Schleiftopf und Absaughaube
  • Schwingschleifer
  • Betonschleifer

Während die ersten drei Werkzeuge dazu dienen, kleinflächige Bereiche von nicht ganz so fest haftendem Fliesenkleber zu befreien, bringen die letzten sechs Geräte schon mehr Power mit.

Sehr empfehlenswert ist die Nutzung einer Flex mit Schleifaufsatz, damit können Sie sowohl plastische »Nasen« abschneiden als auch flache Kleberstellen glattschleifen. Insgesamt empfiehlt sich der Einsatz einer Schleifmaschine im Anschluss an die grobe Vorarbeit, um die Wände wirklich glatt zu bekommen. Wie immer gilt: Zuerst mit einem groben Schleifpapier vorschleifen, danach immer feiner werden.

Waren Ihre Fliesen auf Estrich gelegt und befinden sich am Boden eher weniger Kleberreste, so verwenden Sie einfach eine Bodenschleifmaschine, um eine glatte Oberfläche herzustellen. Sie müssen sich zu diesem Zweck das teure Gerät nicht kaufen, sondern können es sich auch im Fachhandel oder Baumarkt ausleihen.

Diese Vorsichtsmaßnahmen sollten Sie bei Ihrer Arbeit beachten!

Ganz egal, welche Werkzeuge Sie auch anwenden, das Entfernen von Fliesenkleber ist eine reichlich staubige Arbeit, auch gefährliche Splitter können dabei durch die Luft wirbeln. Schützen Sie sich also mindestens mit Handschuhen sowie einem Mund- und Augenschutz; außerdem ist ein Ganzkörperoverall oder zumindest langärmelige Kleidung empfehlenswert. Der Atemschutz muss gegen feine Staubpartikel wirksam sein, grobporige Filter eignen sich hierfür nicht. Wenn Sie mit einem Abbeizmittel arbeiten, sollten Sie ebenfalls für einen effektiven Haut- Augen- und Atemschutz sorgen und den Raum ausreichend belüften.

Denken Sie auch daran, dass der Staub sich sogar bei geschlossenen Türen im ganzen Haus verbreiten kann, er findet seinen Weg durch die schmalen Spalte an den Türen. Kleben Sie darum Ihre Türen rundherum ab und denken Sie daran, Ihre staubige Kleidung bei Arbeitspausen komplett im schmutzigen Raum zu belassen.

Wiederverwertung gewünscht? Fliesenrückseiten von Kleber befreien

Falls Ihre alten Fliesen durchaus wiederverwertbar erscheinen und Sie es geschafft haben, den Wandbelag ohne Schäden zu entfernen, wäre der nächste logische Schritt, die Rückseiten vom Kleber zu befreien.

  • Dispersionskleber beizen Sie von der Fliesenrückseite ab.
  • Anderen Klebersorten rücken Sie mit Spachtel, Hammer und Meißel zu Leibe.
  • Lässt sich der Kleber nicht entfernen, so betten Sie die Fliesen in Dickbettmörtel ein.

Fliesen mit Kleberresten auf der Rückseite können in Dickbettmörtel neu verwendet werden

Sauber und bequem: Alternativen zum Entfernen der Fliesen

Fliesen und Fliesenkleber von Wand und Boden zu entfernen, macht alles andere als Spaß. Es handelt sich um eine schmutzige, laute Arbeit, die ganz gewiss ihre Längen hat. Möchten Sie dieses zweifelhafte Vergnügen doch besser vermeiden, dann kommen zwei interessante Lösungen infrage: Verschönern Sie Ihre Wandverkleidung mit hochwertigen Fliesenaufklebern oder streichen Sie die Fläche mit einer Spezialfarbe. Allerdings ergeben diese beiden Methoden nicht dasselbe perfekte Bild wie eine fachkundig neu geflieste Fläche – dafür sparen Sie aber jede Menge Geld und Nerven.

 

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