Ein altes Haus kaufen und sanieren – macht das Sinn?

Die Deutschen sind eine Nation der Hausbesitzer. Vor allem auf dem Land ist es ganz normal, dass eine Familie ihr eigenes Haus besitzt. Oft wird es an die nachfolgende Generationen weitergegeben, was zur Folge hat, dass es in Deutschland sehr viele alte Immobilien gibt. Wenn diese zum Verkauf stehen, sind sie aus diesem Grund meist sanierungsbedürftig. Lohnt es sich überhaupt, ein solches Haus zu erwerben, oder ist es besser, eine neue Immobilie zu erwerben oder gar zu bauen? Ja, es kann sich lohnen, wenn man dabei einige Aspekte beachtet. Unter gewissen Umständen kann ein sanierungsbedürftiges Haus durchaus rentabel sein.

Den Wert der alten Immobilie genau einschätzen

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Ein altes und sanierungsbedürftiges Haus – ein Schnäppchen?

Den Wert einer alten Immobilie einzuschätzen, ist alles andere als einfach. Auch wenn das Haus auf den ersten Blick in Top-Zustand ist, kann sich bei genauerer Betrachtung herausstellen, dass der schöne Schein leider trügt. Aus diesem Grund sollten Sie sich mit einem einzigen Lokalaugenschein auf keinen Fall zufrieden geben. Prüfen Sie das Haus auf Herz und Nieren. Als Nicht-Fachmann wird es Ihnen kaum möglich sein, die Lage richtig einzuschätzen. Ziehen Sie deshalb mindestens einmal einen Experten bzw. Sachverständigen zu Raten und lassen Sie den Wert der Immobilie sowie die anfallenden Kosten für die Sanierung schätzen.

Vor allem bei alten Häusern ist es oftmals der Fall, dass sie früher in einer optimalen Lage gebaut wurden, diese sich durch Veränderungen der Umwelt aber verschlechtert hat. Sie sollten sich vor Ort ansehen, ob keine Lärmbelästigung durch eine Straße oder Nähe zur Autobahn besteht und ob die heutzutage standardmäßige Infrastruktur, wie z. B. eine gute Anbindung an das Straßennetz, der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, die ärztliche Versorgung, Schulen etc., gegeben ist.

Einige Anbieter bieten online die möglichkeit, nach Sanierungsbedürftigen Häusern zu suchen. Oft findet sich in der genauen Beschreibung der Immobilien das Baujahr und die Gültigkeit des Energieausweises. (etwa auf: http://www.findmyhome.at)

Das sollten Sie am Haus unbedingt kontrollieren

  • Sind alle nötigen Anschlüsse vorhanden und entsprechen sie den aktuellen Standards? Vor allem bei Heizungen, Kanal- und Wasseranschlüssen kann eine Sanierung teuer kommen, weil meist das ganze System ausgetauscht werden muss.
  • Ist das Fundament solide?
  • Sind die Wände trocken, gab es schon einmal einen Wasserschaden oder tritt Grundwasser in die Kellerräume ein?
  • Sind die Wände und Fenster ausreichend gedämmt und wurde dafür Asbest verwendet?
  • Ist das Dach dicht und wenn ja, wann wird es wahrscheinlich erneuert werden müssen?
  • Sind die Balkone stabil?
  • Gibt es Risse in den Wänden?
  • Gibt es Spuren von Schimmel?

Wann lohnt es sich, ein Haus zu kaufen und zu sanieren?

planung und renovierung

Eine Sanierung muss gut geplant sein

Grundsätzlich ist der Erwerb eines alten Hauses nur dann lohnenswert, wenn die Sanierung immer noch weniger kostet als ein Neubau. Manche Häuser sind derart baufällig, dass sie komplett abgerissen und neu aufgebaut werden müssen. Sollten Sie nicht unbedingt auf einem festen Standort bestehen, sollten Sie sich eine solche finanzielle Ausgabe gut überlegen. Das Abreißen und Entsorgen der alten Gemäuer wird nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit in Anspruch nehmen, sodass sich der Bau des neuen Eigenheims verzögern wird.

Um herauszufinden, ob sich das Sanieren lohnt, sollten Sie unbedingt einen Fachmann zu Rate ziehen. Als Laie kann man es kaum richtig einschätzen, wie viele Euro das Herrichten tatsächlich verschlucken wird. Gutachter hingegen wissen ganz genau, wo sie Mängel am Haus aufspüren könnten, außerdem verfügen sie über die notwendigen Werkzeuge, um diese klar aufzudecken, wie z. B. Messgeräte, mit denen die Feuchtigkeit und Dichte der Wände angezeigt werden kann. Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Wissen als Hobby-Handwerker, immerhin geht es im schlimmsten Fall um viel Geld. Je genauer die Einschätzung des Zustandes, umso besser können Sie kalkulieren. Sollte der Gutachter den Wert als geringer einstufen als der angegebene Kaufpreis, sollten Sie unbedingt auf eine Preisminderung bestehen. (mehr dazu auch auf: http://www.sueddeutsche.de )

Auch wenn die Kosten für ein Gutachten sehr hoch erscheinen mögen, sollten Sie sie unbedingt auf sich nehmen. Es ist in jedem Fall von Vorteil: Entweder weil Sie sich sicher sein können, dass der Kaufpreis angemessen ist und Sie ungefähr wissen, welche Ausgaben noch auf Sie zukommen werden oder weil Sie einen besseren Kaufpreis aushandeln oder im Zweifelsfall vom Kauf Abstand nehmen und sich vor hohen Ausgaben bewahren können.

Schnell zum Eigenheim – und dann sofort einziehen

haus kaufen

Sofort nach dem Kauf einziehen – das ist ein echter Vorteil

Ein großer Vorteil eines bereits gebauten Hauses besteht darin, dass Sie für gewöhnlich wesentlich zeitnaher einziehen können, als wenn ein Neubau errichtet werden würde. Manche Häuser sind trotz Sanierungsbedarf so gut in Schuss, dass man gleich nach dem Erwerb einziehen könnte. Vor allem für Familien mit kleinen Kindern kann das ein entscheidender Grund für den Kauf sein, da die Bauzeit doch immer auch viel Zeit und vor allem viele Nerven in Anspruch nimmt, was sich nicht selten negativ auf das Familienleben auswirkt.

Um festzustellen, ob sich das Anschaffen und das Sanieren eines in die Jahre gekommenen Hauses lohnt, wartet viel Rechenarbeit auf Sie. Berücksichtigen Sie dabei:

  • den Kaufpreis
  • die anfallenden Nebenkosten, wie Honorare für den Notar, den Anwalt, den Makler, den Eintrag ins Grundbuch
  • die zusätzlichen Zinsen, falls Sie das Haus mit Hilfe eines Kredites finanzieren, was meistens der Fall ist
  • die Nebenkosten, die während des Sanierens anfallen, obwohl Sie das Haus noch gar nicht bewohnen können und natürlich
  • das Geld, das Sie effektiv ausgeben müssen

Beim Renovieren selbst mit anpacken und Geld sparen

selbst-renovieren

Selbst zu Renovieren kann Geld und Zeit sparen

Auch wenn Sie selbst keine handwerkliche Ausbildung haben, kann es sich durchaus lohnen, selbst beim Sanieren mit anzupacken. Selbst wenn Sie den Profis nur zur Hand gehen, sind Sie eine wichtige Arbeitskraft und Sie tragen dazu bei, dass das Sanieren schneller vonstattengehen kann. Bei gut erhaltenen Häusern reichen oft vereinzelte Sanierungsarbeiten, um das Haus wieder bewohnbar zu machen bzw. in Schuss zu bringen. In solchen Fällen ist es sicher eine gute und vergleichsweise immer noch kostengünstige Entscheidung. (mehr auch unter http://www.selbst.de)

Ein Blick ins Grundbuch macht Sinn

Bevor Sie ein Haus erwerben und mit der Sanierung beginnen, müssen Sie sich versichern, dass alles im wahrsten Sinne des Wortes mit rechten Dingen zugeht. Verschaffen Sie sich hierzu Einblick in das Grundbuch. Dort erfahren Sie, ob auf das Haus ein Anspruch seitens Dritter besteht oder ob es finanziell belastet ist. Kontrollieren Sie dabei auch, ob die Beschreibung des Hauses den Tatsachen entspricht. Für illegale Zubauten können Sie nachträglich noch belangt werden, auch wenn Sie auf das Konto des Vorbesitzers gehen.

Achtung bei Denkmalschutz

Vor allem bei Bauernhäusern oder Häusern in historisch bedeutenden Gegenden, wie z. B. Altstädten, ist beim Hauskauf Vorsicht geboten. Viele dieser Immobilien stehen unter Denkmalschutz, weshalb sie nur eingeschränkt saniert und in vielen Fällen gar nicht umgebaut werden dürfen. Versichern Sie sich vor dem Kauf eines alten Hauses, dass es nicht unter Denkmalschutz steht. Diese Information können Sie bei der zuständigen Gemeinde einholen. (dazu auch: http://www.test.de/Kaufvertrag-Immobilien-Den-Notar-ordentlich-ausfragen-4427977-0/)

Pauschal lässt sich nicht sagen, ob sich der Kauf und das Sanieren einer viele Jahre alten Immobilie lohnt. Ein solches Urteil ist immer situationsabhängig. Um für sich selbst eine Entscheidung zu treffen, müssen Sie genauestens kalkulieren und berechnen, ob Ihnen der Kauf nach dem Sanieren immer noch günstiger kommt, als wenn Sie einen Neubau in Angriff genommen hätten. Außerdem müssen Sie bei einem „gebrauchten“ Haus bedenken, dass anfallende Instandhaltungsmaßnahmen früher zu erwarten sind als bei einer neuen Immobilie. Dafür können Sie in der Regel aber bereits früher einziehen und sich viel Arbeit und oftmals auch Ärger sparen. Wer weiß, vielleicht hat bereits jemand Ihr Traumhaus gebaut und es steht jetzt zum Verkauf. Schließen Sie den Kauf und die Sanierung nicht aus, es könnte dabei ein Schnäppchen auf Sie warten.

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