Balkon abdichten: Diese Arten der Balkonabdichtung gibt es

Ob Regen, Schnee, Sturm oder Sonnenschein: Der Balkon ist Tag für Tag dem Wetter ausgesetzt, darum muss er aus robusten Materialien bestehen, die sowohl der Hitze als auch dem Frost und der Nässe dauerhaft standhalten. Stahl, Beton, Aluminium und imprägniertes Holz sorgen für eine jahrzehntelange Lebensdauer, aber nur, wenn der Balkon auch tatsächlich wasserdicht ist!

Muss ich meinen alten Bodenbelag vor dem Abdichten entfernen?

Die Frage, ob der alte Bodenbelag erhalten bleiben kann, steht in der Regel ganz zu Anfang, wenn es sich um einen Balkon älteren Datums handelt. In der Vielzahl der Fälle müssen Balkonbesitzer zur Beseitigung von Undichtigkeiten die Bodenplatte freilegen und den Belag ganz neu aufbauen. Das liegt daran, dass sich oft unterhalb der Fliesen, Waschbetonplatten oder anderen Belagsarten Hohlstellen gebildet haben, die Feuchtigkeit in sich bergen können und zu einem instabilen Untergrund führen.

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Ein undichter Balkon – Zeit für eine Renovierung.

Holz- und WPC-Beläge lassen sich relativ einfach demontieren und nach der Balkonabdichtung wieder aufbringen, fest verklebte Beläge überstehen den Abbau hingegen leider meistens nicht heil. Geflieste Flächen ohne darunterliegende Hohlstellen können allerdings als tragfähiger Untergrund für eine Abdichtungsschicht inklusive Neubelag dienen, falls das Bodenniveau sich auf diese Weise nicht allzu weit erhöht und das Gesamtgewicht sich in statisch zulässigen Grenzen hält. In einigen Fällen sind ausschließlich die Randzonen von der Undichtigkeit betroffen, dann lässt sich das Problem mit einfachen Mitteln beheben, ohne dass der Belag dafür geopfert werden muss.

Ob Ihr alter Balkonbelag erhalten bleiben kann oder nicht, hängt auch von der gewählten Abdichtungsart ab.

Diese Möglichkeiten bieten sich:

Diese Abdichtungsarten für Balkone stehen Ihnen zur Auswahl

Eindringendes Wasser stellt die größte Gefahr für die Haltbarkeit Ihres Außensitzes dar, die Feuchtigkeit zieht Ausblühungen, Schimmel und bei Frost hässliche Abplatzungen nach sich. Nur wer seinen Balkon effektiv abdichtet, kann sich sicher sein, dass diese massiven Wasserschäden keine Chance haben.

  1. Schnellmaßnahme: Abspritzen mit Unterwassersilikon
    Ein älterer Balkon mit kleinen Undichtigkeiten lässt sich relativ schnell abdichten. Verwenden Sie ein spezielles Unterwassersilikon aus der Spritzkartusche, um offene Fugen und kleine Löcher zu schließen. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesem Verfahren allerdings um eine reine Übergangslösung, denn wenn erst einmal eine gewisse Menge Wasser in die Bausubstanz des Balkons eingedrungen ist, lauern unter dem Belag in der Regel versteckte Folgeschäden, die es ebenfalls zu beheben gilt. Klopfen Sie einfach einmal Ihre Fliesen ab: So stellen Sie fest, ob es bereits größere Hohlstellen im Balkonboden gibt. Unterhöhlte Fliesen müssen leider entfernt werden, um den Balkonboden wieder aufzufüllen und abzudichten.
  2. Funktionell: Balkon abdichten mit Dichtschlämme und Dichtbändern
    Größere Flächen lassen sich mit einer mineralischen Dichtschlämme sanieren, mit passendem Haftgrund können Sie diese auch auf einem alten Fliesenbelag auftragen. Das Material sollte frostbeständig und rissüberbrückend sein, zur Hauswand hin benötigen Sie eine dauerelastische Fuge. Verwenden Sie zu diesem Zweck ein entsprechendes Dichtband, das Sie vor dem Ausgießen der Schlämme anbringen. Praktische Innen- und Außenecken aus Dichtmaterial sorgen dafür, dass auch Kanten richtig gut abgedichtet sind. Eine Dichtschlämme eignet sich außerdem zur Erstabdichtung eines neuen Balkons, denn der Fliesenbelag allein reicht nicht aus, um die Balkonplatte wasserfest zu versiegeln.
  3. Klassisch: Bitumenbahnen zur Balkonabdichtung verwenden
    Bitumen gilt als klassisches Dichtmaterial für Flachdächer und Balkone, die Rollenware wird entweder mit dem Propanbrenner heiß verschweißt oder kalt geklebt. Bei der Heißverschweißung erhitzen Sie die Unterseite der jeweiligen Bitumenbahn, bis sie anschmilzt, dann rollen Sie das Material langsam aus und drücken es an. Zum kalten Verkleben benötigen Sie Bitumenbahnen, die mit einer Kaltselbstklebemasse versehen sind. Kaltselbstklebebahnen kosten zwar in der Anschaffung etwas mehr, lassen sich dafür aber schneller und damit auch preiswerter verarbeiten. Profihandwerker bringen für optimale Dichtigkeit meist zwei Schichten Bitumen übereinander an, dabei kann es sich auch um eine Schicht Kaltselbstklebematerial handeln, die eine Lage Schweißbahn trägt.
  4. Preiswert: Balkon mit Folie und Klemmleisten zuverlässig abdichten
    Die Abdichtung mit Folie gehört zu den Varianten, die besonders häufig von Heimwerkern ausgeführt wird. Allerdings ist auch hier darauf zu achten, dass wirklich alle Fugen und Randzonen absolut dicht sind, sonst kommt es allzu schnell doch wieder zu Wassereinbrüchen. Verkleben Sie die Ränder Ihrer Folie also druckwasserdicht oder befestigen Sie sie mit speziellen Klemmleisten. Bevor Sie mit der Arbeit beginnen, erkundigen Sie sich nach der idealen Untergrundvorbereitung für Ihre Folie, eventuell ist ein Bitumenanstrich vonnöten oder eine spezielle Dampfsperre. Führen Sie Ihre Abdichtungsfolie einige Zentimeter senkrecht die Wand hoch und spritzen Sie Ihre Klemmleisten rundherum sorgfältig mit Silikon für den Außenbereich ab. Achten Sie beim Kauf der Folie darauf, dass diese frostresistent und jahrzehntelang haltbar ist. 
  5. Einfach praktisch: Flüssigkunststoff auf Balkonfläche auftragen
    Eine moderne Abdichtungsvariante besteht darin, die Balkonplatte mit einem Flüssigkunststoff zu streichen, der sämtliche Ritzen füllt und ein nur geringes Eigengewicht mit sich bringt. Sogar rutschhemmende, dekorative Oberflächen lassen sich damit gestalten, sodass gar kein weiterer Bodenbelag mehr nötig ist. Außerdem lässt sich die zähflüssige Kunststoffmasse relativ leicht eigenhändig auftragen, wichtig ist nur, an eine effektive Randabdichtung zu denken und keine Fehlstellen zu produzieren. Als Abdichtung für die Ränder fungieren entweder passende Dichtbänder oder ganz einfach ein dickschichtiger Auftrag des Kunststoffmaterials. Nach Fertigstellung dürfen Sie sich über ein nur wenig erhöhtes Bodenniveau erfreuen! Auch die Gesamtdicke eines mehrschichtigen Auftrags hält sich in Grenzen, sorgt aber für noch mehr Schutz gegen Feuchtigkeit. Alles in allem ein lohnenswertes Abdichtungsverfahren für DIY-Freunde, die sich nicht allzu viel Arbeit machen möchten und einen Boden wünschen, der sich bei Schäden leicht ausbessern lässt.

Entkopplungsmatten schützen Fliesen und Fugen gegen Risse

Wer seine Fliesen direkt auf die Abdichtungsfolie verlegt, könnte im Verlauf der Jahre auf ein echtes Problem stoßen: Zwischen Bodenplatte und Belag befindet sich in diesem Fall nur eine sehr dünne Plastikschicht, die nicht dazu taugt, Schwingungen und Materialbewegungen abzufangen. In diesem Fall besteht die Notwendigkeit, auf die Folie sogenannte Entkopplungsmatten zu legen, die wie eine Art Stoßdämpfer für die Fliesen wirken. So bewahren Sie Ihren schönen neuen Fliesenboden vor Rissen und Abplatzungen, die zwangsläufig durch unterschiedliche Materialbewegungen von Beton, Fliesen und Mörtel entstehen würden.

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Bei allen Abdichtungsvarianten ist sorgfältige Arbeit gefragt!

Nun kennen Sie alle wichtigen Abdichtungsarten für Balkone, jede davon bringt ihre eigenen Vorteile mit. Für welche Variante Sie sich entscheiden, hängt ganz von Ihren persönlichen Ansprüchen und den bauphysikalischen Vorbedingungen ab. Jede der angeführten Arbeiten lässt sich prinzipiell auch von einem Laien erledigen, wenn dieser sorgfältig vorgeht und wirklich alle Bereiche dicht bekommt. Dann steht einer langen Lebensdauer Ihres gemütlichen Außensitzes nichts mehr im Wege!

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